Aktuelle Nummer 05 | 2024
25. Februar 2024 bis 09. März 2024

Bistum St. Gallen betont «gemeinsame Interessen» mit «Reformen jetzt»

Am 17. November haben sich die Leitung des Bistums St. Gallen und die Initiantinnen und Initianten von «Reformen jetzt» zu einem Gespräch getroffen, heisst es in der Mitteilung des Bistums vom 30. November.

Daran beteiligt waren demnach einerseits Bischof Markus Büchel, Generalvikar Guido Scherrer, Pastoralraumleiter Franz Kreissl und Isabelle Awad von der Bistumskommunikation. Seitens Initiative kamen Roman Rieger, Teamleiter Cityseelsorge, Stefania Fenner von der Jugendpastoral (Daju), Ann-Katrin Gässlein vom Cityteam und Vreni Ammann, Teamkoordinatorin der Seelsorgeeinheit St. Gallen-Ost. 

In Richtung «menschenfreundlichere Kirche»

Beim Gespräch seien das «gemeinsame Interesse an der Kirche» und der «Wunsch, die Missbräuche im Umfeld der Kirche aufzuarbeiten» festgehalten worden. «Bischof und Bistumsleitung sehen und anerkennen die Initiative als einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Kirche in unserem Bistum», so die Mitteilung. Und die gehe in die Richtung einer «menschenfreundlicheren Kirche».

«Reformen jetzt» hatte sich im Nachgang der im September veröffentlichten Pilotstudie zu Missbrauch in der Kirche gebildet. Anfang Oktober reichten ihre Exponentinnen und Exponenten zwei Vorstösse zuhanden der Bistumsleitung ein: Sie forderten einen stärkeren Einbezug von Lainnen und Laien bei der Bischofswahl – angesichts des Rücktrittsangebots von Bischof Markus Büchel im kommenden Sommer. Und sie verlangten, dass auch nichtgeweihte Theologinnen und Theologen Trauungen durchführen können sollen. Bis anhin sei ihnen dies nur in Einzelfällen und mit einer Sonderbewilligung des Bischofs möglich.

Respekt vor Privat- und Intimsphäre

Eine dritte Forderung stellte die Initiantinnen und Initianten am 26. Oktober. Sie verlangten, dass die Privat- und Intimsphäre von Seelsorgenden respektiert werden müsse. Aktuell scheine die Bistumsleitung zwar «vordergründig eine Vielfalt an Lebens- und partnerschaftlichen Beziehungsformen zuzulassen». Doch in den Unterlagen zum Einstellungsverfahren heisse es weiterhin, dass zu prüfen sei, ob die Lebensform der Bewerbenden einer kirchenrechtlich anerkannten Form entspreche. Das sei «ein ungutes Machtinstrument» in den Händen der Vorgesetzten und ein «Damoklesschwert» für die Angestellten.

Gesprächsthemen in St. Gallen und der Deutschschweiz

Die Bistumsleitung arbeite bereits aktiv an diesen drei Themen, hält sie in der aktuellen Mitteilung fest. So habe es Anfang November eine Fachtagung zu Fragen von Sexualität und Lebensform gegeben, an der sich Leute aus der Ordinariatsversammlung, dem Priesterrat und dem Rat der hauptamtlichen Laien sowie Gleichstellungsbeauftragte ausgetauscht hätten. Aktuell seien die Bistümer der Deutschschweiz dran, dazu gemeinsame Standards zu erarbeiten.

Bezüglich Trau-Erlaubnis habe ein Gesprächsprozess von diözesanen Organen und Vertretungen offenbar bereits zu einem «praktikablen» Lösungsvorschlag geführt. Mit der Umsetzung scheint das Bistum zuzuwarten. So heisst es auch hier: Das Thema werde auf der Ebene der Deutschschweizer Bischöfe diskutiert, «die in dieser Frage eine gemeinsame Lösung anstreben».

Bischofwahl: Beteiligung trotz Bulle

Bezüglich der Bischofswahl hält das Bistum fest, dass die Beteiligung der Laien bereits verankert sei. «Das Katholische Kollegium muss zur Liste der Kandidaten Stellung nehmen.» Bei den letzten Bischofswahlen habe das Domkapitel zudem umfassende Konsultationen durchgeführt. «Inwiefern eine noch konkretere Beteiligung möglich sein könnte, ohne die Bulle zu verletzen, ist Thema in den laufenden Gesprächen.» (kath.ch)