Aktuelle Nummer 05 | 2021
28. Februar 2021 bis 13. März 2021

Aktuell

Kirchgemeinde Kestenholz ist Co2-neutral

von Wolfgang von Arx, Umweltbeauftragter ­Olten, und Roger Wyss, Kirchgemeindepräsident Kestenholz

Kestenholz nimmt den Aufruf von Papst Franziskus, sich für den Schutz von Klima und Umwelt sowie für die Schwächsten zu engagieren, ernst. Der Kirchenrat hat ökologische ­Massnahmen ergriffen, um als erste Kirchgemeinde der Schweiz CO2-­neutral zu sein. Dieses Engagement lässt sich die Kirchgemeinde durch die Umwelt­zertifizierung «Grüner Güggel» ­bestätigen.

Papst Franziskus: Laudato si‘
Die Welt steht vor grundlegenden Zukunftsfragen, die keinen Aufschub mehr dulden, und die ein gemeinsames internationales solidarisches Handeln erfordern: Das macht Papst Franziskus mit seiner Öko-Enzyklika «Laudato si’» (2015) deutlich. Mit den herrschenden Maximen eines rein technologischen Fortschrittsglaubens, gepaart mit einem nur auf Gewinn ausgelegten Wirtschaftssystem, fährt die Menschheit die Welt und sich selbst an die Wand. So lässt sich die Warnung des Papstes zusammenfassen. Er ruft die Weltgemeinschaft zu einem fundamentalen Umdenken und jeden Einzelnen zu einem umweltbewussten und nachhaltigen Lebensstil auf.

Franziskus bietet in seiner Enzyklika eine umfassende, auf der jüdisch-christlichen Tradition aufbauende Perspektive an und beschreibt die «unermessliche Verantwortung» der Menschheit für die Schöpfung, in der alle Geschöpfe verbunden sind. Der Glaube biete «wichtige Motivationen für die Pflege der Natur und die Sorge für die schwächsten Brüder und Schwestern», hält er fest. Die Verantwortung für die Natur sei Teil des christlichen Glaubens.

Für eine nachhaltige und ­umweltbewusste Kirche 
Der Kirchgemeinderat Kestenholz hat das grosse Anliegen von Papst Franziskus aufgenommen. Mit dem kirchlichen Umweltmanagement «Grüner Güggel» schafft der Rat die Grundlage für eine glaubwürdige und verantwortungsvolle Gemeinschaft zur Wahrung der Schöpfung, unserer Welt. Der Pfarreirat hat dazu unter der Leitung von Gemeindeleiterin Theresia Gehle die Schöpfungsleitlinie für die Kirchgemeinde Kestenholz erarbeitet. 

Seit letztem Sommer befasst sich ein Umweltteam unter der Leitung von Kirchgemeindepräsident Roger Wyss mit der Umweltzertifizierung. Das heisst, der Verbrauch von Energie, Wasser und Wärme der letzten vier Jahre wurde erfasst. In Kirche, Pfarreiheim und Pfarrhaus wurden der Zustand der Heizung, der Beleuchtung, der Wasserzufuhr und Abwasserleitungen, der Dachflächen und Dachkonstruktion, die Abfallentsorgung und die biologische Vielfalt der Grünflächen systematisch analysiert und dokumentiert. Anhand dieser Daten sind Verbesserungsmassnahmen für die nächsten vier Jahre zusammengestellt und teilweise schon umgesetzt worden. Mit der Zertifizierung ist die Basis für eine fortlaufende Verbesserung gelegt. Kestenholz darf nun mit Stolz das Label für die nächsten vier Jahre nutzen. Dann erfolgt eine neue externe Prüfung, die dann die umgesetzten Massnahmen und deren Resultate kontrolliert.

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Umweltteam von Kestenholz mit dem Kirchlichen Umweltrevisor

Von Links: Nivio Madeira, Mitglied Umweltteam; Theresia Gehle, Gemeindeleiterin; Roger Wyss, Kirchgemeindepräsident und Leiter Umweltteam; Beatrice Roos, Mitglied Umweltteam; Dietmar M. Cords, Kirchlicher Umweltrevisor, Wangen im Allgäu

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Das Label «Grüner Güggel» 
Umweltkenndaten für Kirchgemeinden sind neu. Wer weiss schon, wie viel CO2 eine Kirchgemeinde ausstösst. Man fordert zwar die Bewahrung der Schöpfung, weiss aber kaum, was man selbst dafür tut oder eben nicht tut. Hier kann die Zertifizierung mit dem «Grünen Güggel» helfen. Nach einem standardisierten Vorgehen und entsprechenden Hilfsmitteln kann sich die Kirchgemeinde rasch und exakt einen Überblick verschaffen. Ein Vergleich der Verbraucherdaten von über 800 anderen Kirchgemeinden, die in Deutschland und der Schweiz zertifiziert sind, zeigt einem, wo man steht und wie es die Besten machen. Im Kanton Solothurn sind erst Olten und jetzt Kestenholz zertifiziert. Egerkingen und Bellach werden in Kürze folgen.

Haben Sie auch Interesse an einer Überprüfung ihrer Kirchgemeinde, werden sie aktiv und fragen mal beim Kirchgemeinderat nach. Fachliche Unterstützung erhalten sie über die zertifizierten Kirchgemeinden und beim Verein oeku Kirche und Umwelt. Finanzielle Unterstützung gibt es von der Synode des Kantons Solothurn.