Aktuelle Nummer 05 | 2021
28. Februar 2021 bis 13. März 2021

Editorial

Masken

Seit Monaten prägen Masken unseren Alltag. Spätestens an der Haltestelle, vor dem Geschäft oder vor der Kirche setzen wir sie auf. Sie dienen primär dem Schutz der anderen, damit diese nicht direkt unserer Atemluft ausgesetzt sind. Und umgekehrt schützen die Masken der anderen auch uns. Manchmal gelingt es uns schon besser, sie so zu handhaben, dass die Brille nicht beschlagen wird. Aber mühsam bleibt es, insbesondere bei Gesprächen, weil ein Teil des Gesichts verdeckt bleibt, und die Mimik und ein allfälliges Lächeln nur erahnt werden können. 

Masken schützen und Masken verstecken. Diese Bedeutungen gehören zu Masken, auch schon vor der Pandemie. Sie werden vor allem mit der Fasnacht in Verbindung gebracht. Urtümliche Holzlarven erinnern an alte Bräuche, die der Vertreibung und dem Schutz vor bösen Wintergeistern dienten. Larva, lat. das Gespenst, soll entlarvt werden, soll seine Maske und damit seine Gefährlichkeit verlieren. Dieses Schutzritual wurde zum fasnächtlichen Spiel des Maskentreibens und Maskenballs. Die Maske erlaubt es, in eine andere Rolle zu schlüpfen, sich zu verstellen und sich so zu geben, wie man sich diese Rolle vorstellt. Am Ende des Versteckspiels folgt die Demaskierung und man kehrt zu seiner eigenen Identität zurück, ein närrisches Masken- und Rollenspiel. Auch das normale Leben ist oftmals ein Rollenspiel. In verschiedenen Situationen und Stellungen übernehmen wir «Rollen», die wir unterschiedlich gestalten können. Wir sind beispielsweise Eltern, Kunden, Vorgesetzte, Mitarbeitende oder Gruppenmitglieder und haben unsere Bilder von solchen Rollen. Aber die anderen haben auch Vorstellungen und entsprechende Erwartungen. Es braucht ein Ausbalancieren zwischen der persönlichen Rollengestaltung und den sozialen Rollenerwartungen, eine Art Rollenspiel. Manche innere Befindlichkeit wird dabei hinter einer Maske oder hinter einem Make-up versteckt. Tief in uns tragen wir aber die Hoffnung, bei nahen Bezugspersonen, in Paarbeziehungen oder doch letztlich bei Gott ohne Maske und ohne Rolle verstanden und angenommen zu werden. 

Ich wünsche Ihnen einen Moment des Lächelns über das vielfältige Maskentreiben unseres Lebens.  

Kuno Schmid