Aktuelle Nummer 19 | 2021
12. September 2021 bis 25. September 2021

Editorial

Unbedacht

Die «Black Lives Matter»-Bewegung engagiert sich gegen Gewalt und Benachteiligung von People of color, von Menschen, die aufgrund ihrer Hauptfarbe oft rassistischen Übergriffen ausgesetzt sind. Die Bewegung macht uns bewusst, dass Spuren von Kolonialisierung und Rassismus noch immer in unserem Denken, in unserer Sprache und in unserem Verhalten gegenüber Fremden verankert sind. Unbedacht wirken solche Muster selbst in der Weihnachtszeit. Das macht die Diskussion um den schwarzen Begleiter des St. Nikolaus deutlich. Es geht nicht um den Schmutzli, sondern um den Zwarte Pit, der den niederländischen Samichlaus begleitet. Er wird als orientalischer Sklave schwarz bemalt und mit Ohrringen und roten Lippen karikiert. Damit werde den Kindern die Rolle der Schwarzen als Sklaven und Diener der weissen Männer weitervermittelt. In Deutschland sind auch schwarze Könige und andere Figuren in Krippendarstellungen kritisiert worden, die rassistische Klischees repräsentieren würden. Entsprechend haben die deutschen Bischöfe empfohlen, Krippenfiguren, die Menschen aus anderen Ländern abwertend oder nachteilig darstellen, nicht aufzustellen. Auch Mädchen und Frauen sollen nicht diskriminiert werden. Dass Königinnen gleichberechtigt zum Sternsingen gehören, gilt heute als selbstverständlich. 

Die Beispiele zeigen, dass bereits durch unbedachtes Weihnachtsbrauchtum diskriminierende Muster bedient werden können. Die Botschaft von der Geburt Christi wird so ungewollt verzerrt. Denn er ruft alle herbei zur Krippe, ohne zu benachteiligen. Er zeigt sich solidarisch mit den Kleinen, den Schwachen, den Kranken und allen Fremden. Diese weihnächtliche Solidarität muss sich in unserem Engagement gegen Diskriminierung ebenso fortsetzen wie in der Respektierung der Pandemie-Massnahmen zum Schutze aller und besonders der Schwächsten. Niemand soll durch unbedachtes Handeln gefährdet oder ausgegrenzt werden. Alle dürfen dazugehören, auch wenn die Weihnachtszeit für manche einsamer sein wird als sonst und viele Kontakte nur digital möglich sein werden.  

Ich wünsche Ihnen ein achtsames und frohes ­Weihnachtsfest. 

Kuno Schmid