Aktuelle Nummer 19 | 2021
12. September 2021 bis 25. September 2021

Editorial

Gestern und heute

Fragen nach dem Sinn des Lebens und nach der Bedeutung des Glaubens sind für junge Menschen zentral. Das hat die jüngste Befragung von über 1000 jungen Erwachsenen im Bistum Mainz ergeben. Für die meisten der Jugendlichen ist die Kirche jedoch keine Ansprechpartnerin für ihre Themen. Sie wird als rückständig, homophob und frauenfeindlich beschrieben, als eine Institution von gestern. Eine solche «Kirche von gestern» verteidigen jedoch konservative Kreise. Sie diffamieren sogar Papst und Bischof, wenn es darum geht, dass alles in der rechten, antimodernistischen Lehre von gestern bleibt. Die Glaubensformen von gestern werden zwar treu verwahrt, sind jedoch so nicht mehr anschlussfähig an die Gegenwart. Sie lassen sich kaum mehr an die Generation von heute vermitteln und finden deshalb keine Zukunft im Morgen.  

Dass es nicht so sein muss, zeigen die Sommerlager der Jugendorganisationen. Eine kirchliche Zeitschrift hat mit Grosseltern, Eltern, Jugendlichen und Kindern über ihre Lagererlebnisse gesprochen. Lagerfeuer, Geschichten erzählen, über Gott und die Welt reden, singen, spielen, feiern und die Natur erleben, davon erzählen alle Generationen. Jede Zeit hat versucht, in Lagern ein einfaches Leben zu gestalten, an die Grenzen körperlicher Leistung zu gehen, Verantwortung zu übernehmen, Ausgegrenzte zu integrieren, den Zusammenhalt zu stärken und Gemeinschaft erfahrbar zu machen. Viele Aktivitäten und Formen haben sich über die Jahrzehnte verändert. Aber die vermittelten Werte sind dieselben geblieben. Hier gelingt die Tradierung christlicher Werte und sie werden für junge Menschen in ihrer Lebenswelt erfahrbar und bedeutsam. Wegen der Corona-Pandemie sind Sommerlager in diesem Jahr eine grosse Herausforderung. Ich habe deshalb grossen Respekt gegenüber all den jungen Leiterinnen und Leitern, die für ein solches Engagement ihre Ferien einsetzen. Es gehört zur Generationensolidarität, dass die Älteren den Jungen diese wichtigen Erfahrungen ermöglichen und sie bestmöglich unterstützen. 

Ich wünsche allen Pfadi-, Cevi-, Jubla- und anderen Jugendlagern gutes Gelingen und uns allen erholsame Sommertag unterwegs oder zu Hause.

Kuno Schmid