Aktuelle Nummer 19 | 2020
13. September 2020 bis 26. September 2020

Editorial

Helfen und pflegen

Die Pandemie der letzten Monate hat die Arbeit der Pflegerinnen und Pfleger ins Bewusstsein gerückt. Sie leisten wichtige Dienste in Spitälern, in Altersheimen, bei der Spitex oder bei anderen Gesundheitseinrichtungen. Einfühlsam, geduldig und fachlich kompetent engagieren sie sich für Kranke und Pflegebedürftige. Zurecht gebührt ihnen Applaus und Anerkennung. 

Was heute professionell von Pflegefachleuten geleistet wird, lastete früher auf den Schultern der Frauen in den Familien. Sie kümmerten sich zusätzlich zu ihrer Arbeit um die Kranken und Betagten. Erst in den vergangenen Jahrhunderten begannen Ordensfrauen quasi professionell Kranke zu versorgen und sahen diese Tätigkeit als christlichen Dienst am Nächsten. Sie betreuten zuerst Arme und Alleinstehende, die kein familiäres Umfeld hatten. In Solothurn war Sr. Maria Magdalena Graf eine solche Pionierin. Zusammen mit fünf weiteren Schwestern gründete sie die Gemeinschaft der Solothurner Spitalschwestern, die bis heute besteht. 1788 übernahm die Gemeinschaft die Führung des Spitals an der Aare. Bald prägten überall katholische Ordensfrauen oder reformierte Diakonissinnen das wachsende Spitalwesen. Es entstand das Berufsbild der «Krankenschwester». 

Eine weitere Pionierin der medizinischen Krankenpflege war die vor 200 Jahren geborene Florence Nightingale (1820–1910). Sie erreichte in England, dass Pflegerinnen ordentlich ausgebildet und ihre Berufe anerkannt wurden – auch ohne Eintritt in eine religiöse Gemeinschaft. Mit ihren Schriften machte sie sichtbar, was Frauen schon lange leisten. Den Frauen und der Pflegearbeit wollte sie mehr Anerkennung verschaffen. Ihre Reformen wurden vor allem vom Roten Kreuz und von den Samaritervereinen aufgenommen. Die Vereine machten durch Kurse und Ausbildungen die Pflegedienste weiteren Bevölkerungskreisen zugänglich und förderten die Freiwilligenarbeit bis heute. 

Um helfen und pflegen zu können, braucht es viel Wissen und Können. Grundlegend bleibt jedoch die Motivation, für kranke, schwache und betagte Menschen da zu sein. Dafür gebührt den Profis und allen Freiwilligen Dank und Wertschätzung. 

Ich wünsche Ihnen gute Erfahrungen, wenn Sie helfen oder sich helfen lassen.

 

Kuno Schmid