Aktuelle Nummer 25 | 2020
06. Dezember 2020 bis 19. Dezember 2020

Jugend

Ein Jahr in Costa Rica

von Sophie Deck

Anouk Roth besucht die Kantonsschule ­Solothurn. Während der ­zehnten Klasse machte sie ein Austauschjahr in Costa Rica. Sie erzählt im ­Interview von ihren ­Erfahrungen.

Sophie Deck: Wie hast du dich entschieden, ein Austauschjahr in Costa Rica zu machen?
Anouk Roth: Als mein Bruder in der zehnten Klasse war, machte er ein Austauschjahr in den USA. Schon da wusste ich, dass ich das auch unbedingt wollte. Für Costa Rica habe ich mich entschieden, weil ich schon immer Spanisch lernen wollte und weil Costa Rica eher ein kleines Land in Lateinamerika ist – das gab mir eine gewisse Sicherheit.

Wie hast du dich eingelebt? War es einfach, sich zu verständigen?
Ich konnte schon ein wenig Spanisch, weil es in der Kanti mein Schwerpunktfach war. Das hat mir sicher geholfen, am Anfang nicht ganz verloren zu sein. Nach einem Monat, als ich mich dort auch wohl fühlte, machte es dann irgendwie «Klick». Es war, als hätte sich ein Schalter umgelegt. Mein Gehör gewöhnte sich an die Sprache und mein Wortschatz nahm unglaublich schnell zu.

Was machte dir Schwierigkeiten?
Am ungewohntesten war für mich, dass die traditionellen Rollenbilder von Mann und Frau dort noch viel stärker existieren als hier. Auch dass man als Frau allein auf der Strasse oft Angst haben muss; das kannte ich von hier nicht.

Was hat dich am meisten erstaunt?
Am meisten erstaunt hat mich, wie offenherzig und lieb die Menschen dort sind. Und obwohl Costa Rica ein armes Land ist, sind sie so positiv eingestellt und können mit so wenig glücklich sein. Diese Einstellung fehlt mir hier sehr.

Hast du etwas von zu Hause vermisst?
Die Freiheit und den Luxus, das zu machen, was ich gerade will und wann ich es will. Und natürlich das Essen, meine Familie und meine Freunde.

Vermisst du jetzt etwas von Costa Rica?
Ich vermisse die Sprache sehr. Mir fehlt es, einfach durch den Tag hindurch Spanisch sprechen zu können. Und natürlich auch wieder meine Freunde und die Gastfamilie in Costa Rica. Mittlerweile vermisse ich sogar das Essen, obwohl es mir damals langsam zu viel wurde, jeden Tag Reis und Bohnen zu essen.