Aktuelle Nummer 25 | 2020
06. Dezember 2020 bis 19. Dezember 2020

Editorial

Obergrenze

Viel schneller als gedacht und auch heftiger als im Frühling erreicht uns die zweite Corona-Welle. Was das gottesdienstliche Leben betrifft, steht (noch?) nicht ein völliger Lockdown an, aber im Kanton Solothurn gilt mit einer Obergrenze von 30 Personen bereits eine sehr restriktive Einschränkung. Dies ist umso erstaunlicher, als gerade Kirchen die Voraussetzung für eine problemlose Umsetzung der 50-Personen-Bundesregel bieten. Deutschland und Italien machen es noch besser: Sie messen die Obergrenze an der tatsächliche Grösse der Kirchen, ohne dass dies zu einer Gefahr für die öffentliche Gesundheit wird. Denn die geforderten Abstände und die vorliegenden Schutzkonzepte können in Kirchenräumen gut umgesetzt werden. Die solothurnische 30-Personen-Regel ist bitter, da diese Höchstzahl massiv höhere Massnahmen erfordert, Umsetzungs­probleme schafft und zum Ausschluss von Gläubigen führt. Gerade in Krisenzeiten ist der gemeinsame Gottesdienst für viele Menschen eine wichtige Stütze, die ihnen Mut, Halt und Trost gibt. Das gemeinsame Beten hilft, an das Leben zu glauben, auf Gott zu vertrauen und die Pandemie-Schutzmassnahmen durch- und mitzutragen.

Falsch wäre es nun, einfach resigniert den Kopf in den Sand zu stecken. Wir können uns wehren und uns mit guten Gründen dafür einsetzen, dass der Solothurner Regierungsrat für Gottesdienste die Bundesregel einführt und den Mut hat, überhaupt die Gottesdienste in den Verordnungen zu benennen. Es ist nicht einzusehen, warum in Kirchen nicht auch wie schon jetzt in Restaurants mehr als 30 Personen anwesend sein dürfen. Immerhin gehört die Kultusfreiheit im Unterschied zum «Auswärts-Essen» zu den Grundrechten. 

Das Bistum Basel hat sich bereits bei der Solothurner und Berner Regierung für die 50-Personenregel eingesetzt, was mich sehr freut. Ich rufe die Gottesdienst­besucherinnen und -besucher sowie die staatskirchenrechtlichen Behörden auf, im gleichen Sinne bei der Regierung vorstellig zu werden. Denn die einschränkende kantonale Obergrenze soll nicht einfach klaglos hingenommen werden.

Bleiben Sie gesund, aktiv und zuversichtlich!

Urban Fink-Wagner