Aktuelle Nummer 13 | 14 | 2020
21. Juni 2020 bis 18. Juli 2020

Editorial

Freiwillig

Freiheit! Ende der Zwangsmassnahmen! So forderten einige, als die Corona-Massnahmen andauerten. Die meisten haben sich bisher an die Regeln und Empfehlungen gehalten. Freiwillig wurde die Einschränkung der üblichen Freiheiten akzeptiert, weil man den Sinn eingesehen hat. Die Einschränkungen dienten dem Schutz der eigenen Gesundheit und der Gesundheit und dem Leben anderer. Es ging um Freiheit in einem grösseren Rahmen. Die eigene persönliche Freiheit stand der solidarischen Freiheit aller gegenüber. Freiheit gegen Freiheit. Dies machte in diesen Tagen erfahrbar, dass Freiheit ein vielschichtiger Begriff ist und ganz unterschiedlich erlebt werden kann. Für die einen ging es um die überlebensnotwendige Freiheit, die Geschäfte wieder öffnen zu dürfen, andere wünschten sich die Freiheit zurück, um sich zu treffen oder Gottesdienste feiern zu können. Für viele Schülerinnen und Schüler war es befreiend, wieder in die Schule zu gehen. Alle möchten Freiraum erhalten, um das zu tun, was notwendig und sinnvoll erschien. Es war eine andere Freiheit, als diejenige, die in normalen Zeiten als Unabhängigkeit, als frei von Verpflichtungen verstanden wird. 

Freiheit ist ein Grundbedürfnis der Menschen, und im Tiefsten möchten sie diese Freiheit nutzen, um Dinge zu tun, die ihnen sinnvoll erscheinen. Das zeigt das Engagement der vielen Freiwilligen. Sie setzen sich aus freiem Willen und ohne Entgelt für Mitmenschen oder die Umwelt ein. Sie schenken ihre Zeit jenen, die Hilfe und Unterstützung brauchen, in Nachbarschaften, in Vereinen, im Samariterwesen, in Projekten der Hilfswerke. Gerade im Rahmen der Kirchen und ihrer Organisationen wird vielfältige Freiwilligenarbeit geleistet. Profis der Fachstellen oder der Caritas unterstützen diese subsidiär. Diese Freiwilligenarbeit ist in der Corona-Zeit neu sichtbar geworden und verdient es, mit Dank und Anerkennung gewürdigt zu werden. Freiwillig Gutes, Neues und Sinnvolles zu tun, gehört zu gelebtem Christentum, denn «wo der Geist Gottes weht, da ist Freiheit». 

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Gebrauch der vielen Freiheiten. 

Kuno Schmid