Aktuelle Nummer 13 | 2021
20. Juni 2021 bis 03. Juli 2021

Jugend

«sodass mein Glaube mit dem Leben mitgeht und nicht vom Leben widerlegt wird»

von Chiara Caruso

Lisa De Andrade ist 25 Jahre alt, kommt aus Kestenholz und studiert Theologie an der Uni Zürich. Für ihren Master befindet sie sich zurzeit im Auslandssemester in Berlin. Lisa hört und macht in ihrer Freizeit Musik, tanzt gerne und liebt es zu lesen. Im Interview berichtet sie von ihrem Studium und dessen Zusammenspiel mit dem Leben und dem Glauben. 

Wie bist du auf das Studienfach Theologie gekommen?
Es ist eigentlich noch lustig, wie ich darauf gekommen bin. Ich habe zwar ministriert, aber bin sonst in meinem Alltag nicht gross mit der Kirche in Kontakt gewesen. Nach der Matura an der Kantonsschule Solothurn nahm mich eine Kollegin ins Campus Kappel, ein Lager für Philosophie und Theologie, mit. Dort sagte mir ein Kollege, ich wäre doch eine gute Pfarrerin. Das klang für mich so absurd. Aber ab dem Moment musste ich nur noch weinen. Ich hatte mich eigentlich schon dazu entschieden, Englisch und Kommunikation zu studieren. Aus diesem Gefühl heraus aber schrieb ich mich zwei Wochen vor Studienbeginn für Theologie ein. Ich bereue es keine Sekunde. 

Du wirst sicher oft gefragt, worum es im Theologiestudium geht. Was antwortest du?
Spannende Frage. Die meisten Menschen wissen, dass es etwas mit Religion, Jesus und Gott zu tun hat. Und meistens antworte ich im ersten Augenblick auch damit. Aber wenn ich darüber nachdenke, geht es für mich eigentlich um den Versuch, das Unfassbare durch die eigene Ratio fassbarer zu machen. 

Was ist deiner Ansicht nach das Beste am Theologiestudium?
Das Theologiestudium ist wie eine Abenteuerreise. Das Beste daran ist die Vielfalt und dass es etwas mit der eigenen Existenz zu tun hat. Ich finde, wenn man sich darauf einlässt, hat Theologie wirklich die Kraft, einen nachhaltig zu verändern, weil man über den Glauben reflektiert. 

Hat das Theologiestudium deinen Glauben beeinflusst?
Grundsätzlich hat es den Glauben an sich nicht unbedingt beeinflusst. Das Theologiestudium gibt mir aber das Werkzeug dafür, um den Glauben zu vertiefen. Ich finde immer mehr Sprache für meinen Glauben. Wenn ich in eine Sackgasse komme, greife ich zur Theologie zurück und denke neu über den Glauben nach, um ein Zusammenspiel von Lebenserfahrungen und Theologie zu schaffen, sodass mein Glaube mit dem Leben mitgeht und nicht vom Leben widerlegt wird. 

Hast du bereits Vorstellungen über deine berufliche Zukunft?
Nach dem Master möchte ich die Pfarrausbildung machen und danach entweder in einer Gemeinde arbeiten oder an die Uni zurückgehen und dort doktorieren.