Aktuelle Nummer 19 | 2021
12. September 2021 bis 25. September 2021

Editorial

Lichtblicke

Viele sprechen zurzeit von Lichtblicken. Sie meinen damit die Anzeichen, die auf ein Ende der düsteren Covid-19-Pandemie hoffen lassen. Das solidarische, ­rücksichtsvolle Verhalten der Bevölkerung, die weltweite Zusammenarbeit für die Entwicklung von Testverfahren, Medikamenten und Impfstoffen, das Engagement des Pflege- und Gesundheitspersonals, die Geduld der Geschäftsleute sowie eine kluge Politik der Einschränkungen, um die Lebenschancen vieler und die grössere Freiheit aller zu ermöglichen, scheinen Erfolg zu haben. Der «Lichtblick» ist das Sinnbild für die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Er hat im Christentum eine lange Tradition. 

Beim Bau der grossen gotischen Kathedralen waren die Lichtblicke architektonisches Programm. Anstatt mit Mauern wurden die hoch aufragenden Gebäude nur durch Säulen und Streben gestützt, damit grosse Fensterflächen möglich wurden. Die mit buntem Glas gestalteten Fenster ermöglichten bezaubernde Licht­blicke, denn im Licht (lateinisch Lumen) zeigte sich die göttliche Lichtquelle (lateinisch Lux). Die Brechung des Lichts, die Spiegelung der Farben und das Entstehen von Brennpunkten regten an, über Analogien im eigenen Leben und in der Welt nachzudenken. Solche Lichtspiele liessen staunen, faszinierten und wurden zur Inspiration für eigene Sinnfragen. In den damaligen Städten mit ihren noch niedrigen Holzhäusern wirkten die grossen Kirchen wie «Laternen Gottes». Sie riefen dazu auf, Licht für die Welt zu sein. Alle waren aufgefordert durch ihr Tun oder durch ihr Dasein zum Lichtblick für andere Menschen zu werden. Für manche war dies auch in der Corona-Krise wieder neu erfahrbar geworden. 

In der kommenden Zeit ergeben sich für mich persönliche Lichtblicke. Meinem Wunsch nach Altersentlastung in der Tätigkeit als Kirchenblattredaktor wurde entsprochen. Die beiden Kollegen in der Redaktionskommission, Urban Fink und Reto Stampfli, werden zukünftig einige Ausgaben übernehmen und redaktionell gestalten. Für mich ergeben sich dadurch mehr Freiräume, Zeitfenster, die ich für neue Lichtblicke und Ideen nutzen möchte. 

Ich wünsche auch Ihnen viele Anregungen im Lichtspiel der Blätter oder eines bunten Glasfensters.

Kuno Schmid