Aktuelle Nummer 19 | 2021
12. September 2021 bis 25. September 2021

Jugend

«Klimaschutz bedeutet Solidarität»

von Céline Hoog

Die 18-jährige Janina Rulka wohnt in Solothurn und hat soeben die Matura abgeschlossen. In ihrer Freizeit spielt sie gerne Saxophon und arbeitet nebenberuflich zudem in einer Bar. Zu ihren Leidenschaften gehören zum einen das bildnerische Gestalten und zum anderen die Klimagerechtigkeit: Seit Beginn der Klimabewegung der Jungen nimmt sie regelmässig an Klimastreiks teil. Im Interview erzählt sie, was sie im Alltag fürs Klima unternimmt und weshalb es Klimastreiks unbedingt braucht.

Janina, du hast soeben die Matura abgeschlossen. Wie geht dein Weg nun weiter?
Ich werde demnächst den gestalterischen Vorkurs in Basel beginnen. Dieser Kurs wird mich auf ein Studium an einer Kunsthochschule vorbereiten. Später würde ich gerne mal im Bereich bildnerisches Gestalten arbeiten. Mich fasziniert es, aktuelle Themen bildnerisch darzustellen. In meiner Maturaarbeit habe ich mich beispielsweise illustrativ mit der Corona-Pandemie auseinandergesetzt und inhaltliche sprachliche Aussagen aus Zeitungsartikeln in einem zusammenhängenden Comic dargestellt. Bilder haben für mich eine andere Aussagekraft als Text.

Wann hast du begonnen, dich tiefer mit dem Thema Klimawandel und Klimagerechtigkeit auseinanderzusetzen?
2019 war in Solothurn der erste grössere Klimastreik, an welchem ich auch teilgenommen habe. Ich habe bereits zuvor einiges über den Klimawandel gewusst, das Bewusstsein für die Dringlichkeit und Wichtigkeit der Thematik kam allerdings mit der Klimabewegung der Jungen. Seitdem versuche ich, zusammen mit anderen, auf die Thematik hinzuweisen und mein eigenes Verhalten zu ändern, indem ich klimabewusster lebe. Beispielsweise ernähre ich mich vegetarisch, bin sehr oft mit dem Velo unterwegs, kaufe Kleider oft secondhand oder verreise fast ausschliesslich mit dem Zug – und dennoch gibt es auch bei mir noch vieles, das ich verbessern könnte. Ich bin optimistisch und denke, dass – sofern jeder sein Verhalten ein wenig ändert – die Klimakrise noch bewältigt werden kann.

Weshalb bedarf es zusätzlich noch das Instrumentarium des Streiks?
Der Streik ist besonders für uns Junge sehr wichtig. Es geht darum, in der Öffentlichkeit auf die Notstandssituation, in der wir uns bereits befinden, aufmerksam zu machen. Die meisten Jugendlichen der Klimabewegung sind noch nicht volljährig und können sich deshalb nicht politischer Instrumente wie Initiativen oder Postulate bedienen. Der Streik ist daher besonders für uns wichtig, um ein Gehör in der Öffentlichkeit für unsere Anliegen zu finden. Seit ich volljährig bin, ist es aber für mich auch besonders wichtig, dass ich wähle und abstimme. Klimaverantwortung hat im Wesentlichen viel damit zu tun, politische Verantwortung wahrzunehmen.

Wie ist dein Verhältnis zum Glauben?
Klimaschutz hat für mich einen engen Bezug zum Glauben. Es ist zunächst ein umwelttechnisches Anliegen, im Kern geht es aber vor allem um Solidarität. Es geht darum, Leid zu mindern und generationenübergreifend Verantwortung wahrzunehmen.

jugend aus arbeit

Ausschnitt aus der Maturaarbeit von Janina Rulka.