Aktuelle Nummer 25 | 2021
05. Dezember 2021 bis 01. Januar 2022

Schwerpunkt

40 Jahre Fachstelle ­Religionspädagogik

von Birgitta Aicher

1981 wurde die «Katechetische Arbeitsstelle» auf Initiative der Solothurner Pastoralkonferenz ­gegründet. Wie sich diese Fachstelle und mit ihr die Religionspädagogik in den letzten 40 Jahren im Kanton Solothurn entwickelt hat, darauf blicken meine drei Vorgänger, Fridolin Wechsler, Roman ­Wermuth und Peter Sury, in ihren Beiträgen zurück. Das heutige Team der Fachstelle möchte zum Jubiläum nicht nur zurückblicken, sondern sich ganz herzlich bei allen Katechetinnen und Katecheten bedanken für ihr grosses Engagement in der ­katechetischen Arbeit sowie in der Begegnung mit ­Schülerinnen und Schülern und deren Eltern. 

Heute sind Katechetinnen und Katecheten mit ihrer professionellen und persönlichen Glaubensweitergabe in der Schule und in der Pfarrei wohl noch stärker herausgefordert als vor 40 Jahren. Sie tragen entscheidend dazu bei, dass Schülerinnen und Schüler gerne am Unterricht teilnehmen und in die kirchliche Gemeinschaft eingeführt werden. In der Aus- und Weiterbildung erhalten sie dazu das nötige Rüstzeug. Damit der Religionsunterricht an der Schule gelingt, sind die Kirchen auf gute Kontakte mit dem Staat angewiesen. Im Kanton Solothurn werden den drei öffentlich-rechtlich anerkannten Kirchen für den Religionsunterricht Raum und Zeit zur Verfügung gestellt. Die Auseinandersetzung mit Religion und religiösen Werten trägt an der Schule so zu einer ganzheitlichen Bildung bei. Schülerinnen und Schüler haben im Religionsunterricht einen Ort, wo sie existenzielle Fragen stellen können. Die Katechetinnen und Katecheten bringen ihr Fachwissen und ihre persönlichen Glaubenserfahrungen als Angebot mit ins Spiel. So entsteht ein Dialog, der den Schülerinnen und Schülern hilft, eine eigene Position zu finden.  

Birgitta Aicher, seit 2016 Leiterin der ­römisch-katholischen Fachstelle Religionspädagogik des Kantons Solothurn

«Man kann nicht über die Anfänge der «Katechetischen Arbeitsstelle für den Kanton Solothurn», berichten, ohne den Grenchner Arbeitskreis zu erwähnen, der die bedeutendste katechetische Reformbewegung der Schweiz im letzten Jahrhundert auslöste. Dieser Kreis bildete die ersten nebenamtlichen Katechetinnen und Katecheten aus und entwickelte neue bedeutsame Lehrmittel. 

Was noch fehlte, war eine Stelle für die Begleitung und Weiterbildung dieser Religionslehrpersonen. Das veranlasste die katechetische Kommission, mich für diese Aufgabe zu wählen. Ich musste die Stelle buchstäblich aus dem Boden stampfen. Ein Büro fand ich im Dachgeschoss bei der Reformierten Kirchgemeinde. In diesem Sinn war die Arbeitsstelle von Anfang an ökumenisch behaust und ausgerichtet. In Nick Sieber fand ich einen äusserst kompetenten Didaktiker für die Ausbildungskurse. Daneben organisierte ich zusammen mit reformierten Pfarrern einen Supervisionskurs für Oberstufenkatecheten/-innen.

1985 zog ich nach Weinfelden TG und später ans Religionspädagogische Institut nach Luzern. Im Gegenzug kam Roman Wermuth als mein Nachfolger vom Thurgau nach Solothurn. Er machte mir das schönste Kompliment, als er mir sagte, ich hätte ihm ein gutes Nest hinterlassen.

Mein Wunsch zum 40. Geburtstag der Fachstelle: Möge euch der lange Atem des Geistes Gottes geschenkt bleiben, der euch mit Zuversicht und Freude – auch mitten in Schwierigkeiten – weitergehen lässt und ihr dadurch ein lebendiger Beweis dafür sein dürft, dass es sich auch im 21. Jahrhundert noch lohnt, sich auf das Experiment des christlichen Glaubens einzulassen.»

Dr. Fridolin Wechsler, erster Fachstellen­leiter 1981–1985
Roman Wermuth

«Wenn ich zurückblicke und über die damaligen Herausforderungen nachdenke, erinnere ich mich eigentlich an keine Probleme. Die 19 Jahre waren geprägt von der Aufbruchstimmung nach dem II. Vatikanischen Konzil. Viele Menschen interessierten sich für die Ausbildung zu nebenamtlichen Katechetinnen und Katecheten. Ich habe in dieser Zeit ca. 200 wunderbare Frauen und Männer kennenlernen dürfen, die mit mir ihr Feuer für den Verkündigungsdienst an Kindern und Erwachsenen geteilt haben. Manche schreiben mir sogar heute noch Karten aus den Ferien. 

Damals haben – trotz unterschiedlicher Erwartungen der Eltern – praktisch alle Schüler und Schülerinnen am konfessionellen Unterricht teilgenommen. Herausfordernd war für mich die gemeinsame Suche nach Antworten auf die Frage nach dem Wozu des Glaubens und wie mir dieser Gott Jesus Christus in meinem Leben helfen kann. 2004 gab ich in den katechetischen Nachrichten dazu folgenden Rat: Es gilt «die Botschaft des Evangeliums wieder als die Botschaft für die Armen und für die Kleinen zu entdecken, denn für sie war diese Botschaft in erster Linie bestimmt». Diese Herausforderung bleibt wohl auch im Jahr 2021.

Der Fachstelle wünsche ich, dass sie Menschen finden möge, Männer und Frauen, die in sich spüren: Der christliche Glaube bereichert mein Leben, den möchte ich weitergeben.»

Roman Wermuth, Fachstellenleiter 1985–2004

 

Peter Sury Portrait I 8989

«Den Berufswechsel zum Religionspädagogen habe ich nie bereut, denn ich habe in der katechetischen Aus- und Weiterbildung viele wundervolle Menschen getroffen und manche Freundschaften sind bis heute geblieben. Es sind Frauen und Männer, die heute selbstbewusst und spirituell gestärkt vor Schulklassen jeder Altersstufe stehen. Meine Tätigkeit begann mit dem Umzug in das Gebäude der Pädagogischen Hochschule (FHNW/Solothurn). Hier hatten wir das Büro gleich neben der reformierten Fachstelle. An der Fachhochschule ausgebildet zu werden, war für die angehenden Religionslehrkräfte wichtig, weil sie dadurch in der Schule besser als gleichwertige Lehrkräfte wahrgenommen wurden. Schritt für Schritt realisierten wir die ökumenische Zusammenarbeit, z. B. durch die ökumenische Website www.sofareli.ch oder die gemeinsame Weiterbildungskommission. Zentral war aber das Zweisäulenmodell für den Religionsunterricht. Fortan sollte der Religionsunterricht an zwei Lernorten stattfinden: der sakramentale Unterricht (Versöhnung, Eucharistie, Firmung) in der Pfarrei und der ökumenische Unterricht am Lernort Schule, integriert in den offiziellen Stundenplan. Die meisten Pfarreien und Kirchgemeinden haben das Zweisäulenmodell umgesetzt und machen gute Erfahrungen damit. 

2011 entstand die Idee eines Zusammenschlusses aller Fachstellen im Raum Nordwestschweiz zu der gemeinsamen Ausbildungs-Institution Oekmodula (www.oekmodula.ch). Acht verschiedene Kantonalkirchen stellten weitsichtig die notwendigen Strukturen und Finanzen bereit, und mit Freude und Engagement konnte ich zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen diese Organisation aufbauen und leiten. 

Ich wünsche der Fachstelle, dass sie weiterhin erfolgreich Frauen und Männern für den Religionsunterricht ausbilden kann und dass dabei die Ökumene vorbildhaft gelebt wird.»

Peter Sury, Fachstellenleiter 2004–2016 
3er Team FRP

Das Team der römisch-katholischen Fachstelle Religionspädagogik des Kantons Solothurn: Birgitta Aicher, Fachstellenleiterin (Mitte), Markus Portmann, Fachmitarbeiter (rechts), Brigitte Schnider, Mitarbeiterin Sekretariat (links). 

Die Fachstelle Religionspädagogik wird von der römisch-katholischen Synode des Kantons Solothurn getragen und ist ökumenisch angelegt: www.sofareli.ch 

Unter anderem wird ein modularer Ausbildungsgang für Katechetinnen und Katecheten mit Fachausweis angeboten: www.oekmodula.ch