Aktuelle Nummer 25 | 2021
05. Dezember 2021 bis 01. Januar 2022

Editorial

Hotspot Religionspädagogik

Mit dieser Ausgabe würdigt das Kirchenblatt das 40-jährige Wirken der Fachstelle Religionspädagogik und die Arbeit aller, die sich in Religionsunterricht und Katechese engagieren. Die Fachstelle war in diesen vierzig Jahren stets ein Brennpunkt der kirchlichen Arbeit und der Auseinandersetzung mit den Entwicklungen in Schule und Gesellschaft. Doch schon vorher war unsere Region ein Hotspot der Religionspädagogik. 1960 erteilte Bischof Franziskus von Streng dem «Grenchner Arbeitskreis zur Erneuerung des Religionsunterrichts» den Auftrag, ein neues Religionsbuch als Ersatz für den Katechismus zu erarbeiten. Der Grenchner Arbeitskreis war eine informelle Gruppe von Lehrern, Heilpädagogen und Seelsorgern in Grenchen, unterstützt von Solothurner Kantonsschullehrern. Sie kritisierten das monotone Auswendiglernen von Lehrsätzen im Katechismusunterricht und forderten einen erfahrungsorientierten und altersstufengerechten Religionsunterricht. Trotz Widerstand der Katechismus-Anhänger erreichte die Gruppe in den 1960er- und 1970er-Jahren eine schweizweite Ausstrahlung und stiess eine nachhaltige religionspädagogische Reform an. Mit der Schaffung der Fachstellen in Solothurn und in anderen Kantonen wurde diese Bewegung professionalisiert und institutionell gesichert. Stellvertretend für die zahlreichen Persönlichkeiten des Grenchner Arbeitskreises möchte ich zwei Frauen namentlich erwähnen. Die Ingenbohler Schwester Oderisia Knechtle (1900–1978) war die erste, die mit Symbolen und Erlebnis­gestalten unterrichtete. Bei ihr ging der Grenchner Arbeitskreis in die Lehre. Sie wurde als Kursleiterin für die Ausbildung von nebenamtlichen Katechetinnen engagiert und prägte die erste Generation Frauen, die als Laien Religionsunterricht erteilten. Als eine der Jüngsten im Grenchner Arbeitskreis hat die Religions­pädagogin Vreni Merz-Widmer die Reformanliegen weitergetragen. Sie vertrat die Orientierung am Kind, die Förderung von Grundhaltungen und spirituellen Fähigkeiten sowie das Erzählen in zahlreichen Kursen. Vor zehn Jahren ist sie im Alter von 63 Jahren früh verstorben. Solche Frauen schufen mit dem Grenchner Arbeitskreis den Boden, auf dem die Arbeit der Fach­stelle Religionspädagogik über 40 Jahre gedeihen konnte. 

Ich wünsche dem Fachstellenteam und allen Unterrichtenden auch für die Zukunft viel Leuchtkraft. 

Kuno Schmid