Schwerpunkt

Adventsfenster

von Monika Poltera-von Arb

Hell erleuchtete und schön dekorierte Fenster locken Menschen im Advent hinaus aus der warmen Stube. Bei einem Spaziergang durch das Dorf werden die Kunstwerke bestaunt und es ergeben sich da und dort wohltuende Begegnungen. Ganz im Sinne adventlicher Vorbereitung sind die Adventsfenster eine gelungene Einstimmung auf Weihnachten. 

Kennen sie das Gefühl, wenn Kinder am Morgen früh auf Zehenspitzen aus ihrem Zimmer schleichen, um möglichst bald das nächste Türchen des Adventskalenders zu öffnen? Neugierig darauf, was dahinter zum Vorschein kommt? Wehe dem, der ein falsches Türchen öffnet! Advent bedeutet warten, ausharren. Jeden Tag einen Schritt weiterkommen. Das hereinbrechende Licht erwarten, ersehnen und herbeischaffen.

Wartezeit sichtbar machen
Adventskalender machen diese Wartezeit sichtbar und erlebbar. Ob selbst gebastelt oder gekauft, aus Papier mit Bildchen und viel Glitzer, gefüllt mit Leckereien, einem Segensspruch oder einer anderen Kleinigkeit oder auch als Geschichte in 24 Teilen – Adventskalender gibt es in unterschiedlichsten Formen und gehören zum Brauchtum in der Adventszeit. In vielen Solothurner Gemeinden gibt es die sogenannten Adventsfenster. Das sind mit adventlichen Sujets dekorierte und beleuchtete Fenster, Vorplätze oder Hausfassaden. Vom 1. Dezember bis Weihnachten wird an jedem Tag ein neues Fenster geöffnet bzw. beleuchtet. Eben: Ein Adventskalender in Grossformat. 

Jemand muss es anpacken
Die Federführung in der Organisation liegt in jeder Gemeinde in anderen Händen. Ob von der Pfarrei, der Frauengemeinschaft, der Kulturkommission oder gar dem Gewerbeverein – es stecken engagierte Menschen hinter der Idee, während des Advents im Dorf ein gemeinsames Projekt umzusetzen. Anfängliche Begeisterung weicht manchmal auch Ernüchterung, wenn es nicht gelingt, alle 24 Fenster an jemanden zu vergeben. Gerade in grösseren Gemeinden scheint dies schwierig zu sein. Wo ein Verein auf ein vorhandenes Netzwerk zurückgreifen kann, gelingt es möglicherweise einfacher. Es gibt jene, die «Stammkunden» sind und jedes Jahr gerne ein Fenster gestalten, und es gibt jene, die es einmal ausprobieren. 

Den Menschen etwas zuliebe tun
Als Mitte der Neunzigerjahre in Lommiswil die Idee entstand, Adventsfenster zu organisieren, waren mehrere Personen von der reformierten und katholischen Kirche beteiligt. «Wo man anderen Leuten eine Freude machen kann, engagieren wir uns gerne», berichtet Klaus Erbsland, der die ­Adventsfenster eine Zeitlang betreut hat. Unterdessen liegt die Organisation beim ­Eltern-Kind-Verein, der die Tradition im Dorf weiterträgt.

Auch in Niederbuchsiten gibt es den begehbaren Adventskalender schon seit Ende der 1990er-Jahre. «Mit diesen wunderschönen, verschieden gestalteten Fenstern soll die Bevölkerung animiert werden, auch in der dunklen, kalten Jahreszeit ihre warmen Wohnzimmer zu verlassen und die hektische Zeit mit Kontakten zu Nachbarn, Freunden, Bekannten und auch über­raschenden Besuchern zu gestalten. Es ergeben sich immer wieder sehr schöne Be­gegnungen mit anregenden Gesprächen», ­erzählt Nicole Röllin, die die Adventsfenster seit zehn Jahren betreut. 

Christliche Symbolik
Hat man für die Gestaltung eines Fensters zugesagt, sind Zeit und gute Ideen gefragt. Welches Motiv wähle ich und wie setze ich meine Idee um? Im vergangenen Jahr hat die Jubla Balsthal erstmals ein Adventsfenster gestaltet. «Wenn schon, denn schon», sagte sich das Leitungsteam und entschied, die ganze Fassade des Pfarreiheims in ein Adventsfenster zu verwandeln. Eine Familie, die in den Sternenhimmel schaut und den Weihnachtsstern betrachtet, war darauf zu sehen. Ganze fünf Abende waren die Leiterinnen und Leiter beschäftigt, das Fenster zu gestalten.

Der Fantasie und Kreativität sind in der ­Gestaltung kaum Grenzen gesetzt. Es entstehen ganz unterschiedliche Kunstwerke. Manchmal sind winterliche Sujets wie Tannenbäume und Schneemänner zu sehen. Szenen aus den biblischen Weihnachtsgeschichten werden abgebildet. Und natürlich ist Licht in vielerlei Art Thema; wohltuend in der dunklen Jahreszeit und Vorwegnahme des sehnsüchtig erwarteten «Lichts der Welt», dessen Erscheinen wir an Weihnachten feiern. Eine Vielzahl von Sternen leuchtet aus Fenstern entgegen, oder Lämpchen schmücken die Fensterrahmen. 

Einladung zum Innehalten
Kunstvolle Adventsfenster gibt es in Matzendorf zu bestaunen. Die Gruppe der «Montagsschnitzer» hat vor mehr als 20 Jahren eine Hausfassade mit 24 Fenstern gestaltet, welche im Advent vor der Dorfmetzg steht. Die Fenster werden von der Frauengemeinschaft gefüllt. Jeden Morgen darf ein Kindergartenkind das nächste Fenster öffnen.

So laden die verschiedenen beleuchteten Adventsfenster ein zu einem abendlichen Spaziergang durch das Dorf. Mancherorts ist die Öffnung des Fensters kombiniert mit geselligem Beisammensein, z. B. bei einem warmen Glühwein oder Kaffee.

Diese Möglichkeit besteht z.B. in Niederbuchsiten. Wer ein Fenster gestaltet, kann eine Tasse zum Fenster hinstellen als Zeichen, dass Passanten eingeladen sind zu einem Umtrunk. Gerade in Coronazeiten verlangt diese Tradition die nötige Vorsicht und ist gleichzeitig eine Gelegenheit, gemeinsam einen Moment innezuhalten und sich zu begegnen.

Aufmerksam auf Weihnachten hin
Ob zu Hause vor dem «kleinen» Adventskalender oder im ganzen Dorf verstreut: der Adventskalender bedeutet eine kleinere oder grössere Zäsur im Alltag. Man widmet seine Aufmerksamkeit für einen Moment dem aufgehenden Türchen, dem aufgehenden Fenster. Es hat eine Botschaft, vielleicht sogar an mich persönlich gerichtet. Holt einen heraus aus dem Alltagstrott. Ein liebevoll und schön gestaltetes Adventsfenster führt in seiner Symbolik hin auf Weihnachten.  

Monika Poltera von Arb

Monika Poltera-von Arb, Pfarreiseelsorgerin in der Pfarrei St. Nikolaus Niederbuchsiten und Mitglied der Redaktionskommission des «Kirchenblatt».