Editorial

Fenster

Gerade in der kälteren Jahreszeit geben uns Mauern, Wände und Dächer Schutz und Wärme. Gleichzeitig sind wir froh darum, dass die Fenster die Wände durchlässig machen und uns Licht und zwischendurch frische Luft hereinlassen. Die Fenster verschaffen uns auch Ausblick, hinaus aus den vier Wänden, auf die Strasse, in die Natur, zu anderen Menschen. Wer «weg vom Fenster» ist, bleibt von diesem Austausch ausgeschlossen. Unter dem englischen Namen «Windows» sind die Fenster bis an unsere Arbeitsplätze gerückt und öffnen uns auf dem Bildschirm Blicke in verschiedenste Bereiche. Das Öffnen der Fenster, das Suchen und Hinausschauen verbindet uns mit der Welt, hilft uns, sie zu verstehen und die Dinge einzuordnen. 

In Kirchen wird dieser Blick nach aussen oft durch buntes Glas verstellt. Das Licht wird gebrochen und zaubert Farben und Formen in den Raum. Die Kirchenfenster laden zu einem anderen Ausblick ein, zu einem Ausblick im übertragenen Sinn, einem Ausblick zu jenen Dimensionen, die hinter dem Lichtspiel liegen. Auch wenn Geschichten, Figuren oder Symbole dargestellt werden, leuchten Kirchenfenster immer über diese vordergründige Bedeutung hinaus. Sie haben eine Funktion wie die Ikonen in der Ostkirche. Ikonen erzählen zwar eine Geschichte, sie werden «geschrieben», nicht gemalt. Aber diese Bildgeschichte soll ein Fenster sein, das den Blick über die Darstellung hinaus auf die unsichtbare göttliche Wirklichkeit richtet. Ikonen und Kirchenfenster helfen, die Augen dafür neu zu öffnen. Ihre Bedeutung wird in den Adventsfenstern gebündelt. Im Advent werden Lichter angezündet, die trotz der dunklen Nacht offen machen wollen, für das was kommt. Die Lichter sind wie Fenster in den Mauern der Finsternis. Sie weisen über sich hinaus und machen empfänglich für das hereinbrechende Weihnachtslicht. Die Adventsfenster sind die Ikonen des Advents, die von der Ankunft des göttlichen Kindes erzählen, die uns staunen lassen und nachdenklich machen.

Ich wünsche Ihnen eine bunt leuchtende, besinnliche Adventszeit.

Kuno Schmid