Editorial

Eingeschränkte Weihnachten

Selbstverständlich ist die Corona-Epidemie keine Strafe Gottes. Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer nannte die Rede von einer Strafe Gottes als «vollkommen unchristlich». Gerade an Weihnachten feiern wir, dass Gott sich in Jesus gezeigt hat und so Heil und Leben zu uns gekommen ist. Was bedeutet es nun, dass wir bereits zum zweiten Mal das Weihnachtsfest unter Corona-Bedingungen feiern? Es gilt: eingeschränkte Weihnachten! Das kann uns helfen, Weihnachten tiefer und besser zu verstehen, wie das Bischof Felix Gmür vor einem Jahr vorgeschlagen hat: «Die Weihnachtsgeschichte eröffnet uns eine Perspektive mit einem Deutungshorizont für Krisenzeiten und die damit verbundene Unsicherheit. Die Geburt Jesu Christi ereignet sich in einem Umfeld von höchster Ungewissheit. Als der Engel Gabriel Maria verkündet, dass sie einen Sohn gebären wird, bringt er sie als unverheiratete Frau in eine missliche Lage. Doch Maria glaubt und hofft. Deshalb kann sie beherzt Ja sagen. Josef ist unsicher, ob er Maria heiraten soll. Durch einen Traum und die Zusage Gottes gewinnt er schliesslich den Mut, mit Maria den Weg zu gehen. Es bleibt prekär. Denn Jesus wird in einer Region geboren, in der zahlreiche politische Konflikte brodeln. Aber gerade hier kommt Gottes Sohn zur Welt. Hier öffnet sich der Himmel. Gott wendet sich den Menschen zu. Gott merzt die Risiken nicht aus, denn sie gehören zu unserem Leben. Weihnachten schenkt uns trotz aller Ungewissheit die Zuversicht, den Boden unter den Füssen nicht zu verlieren. Neues Leben entsteht, ein Kind wird geboren, Gottes Sohn tritt in diese Welt ein. Gibt es ein grösseres Zeichen der Hoffnung, eine grössere Bestätigung der göttlichen Liebe zu uns Menschen?» In der Botschaft zum diesjährigen Weihnachtsfest schreibt der Basler Bischof: «Unser christlicher Glaube ändert zwar nichts an der Pandemie und schützt auch nicht vor einer Erkrankung. Er kann aber unsere innere Haltung prägen, mit der wir durch die Pandemie hindurchgehen. Unser Glaube prägt mit, wie wir in dieser schwierigen Zeit mit uns selbst und unseren Nächsten umgehen.»

Weihnachten kann so ein Anstoss werden, den Blick auf die Menschen zu richten, die unsere Nähe, Hilfe und Unterstützung benötigen. Alle, die helfen, die pflegen, die Leben retten, alle, die den Mitmenschen nahe sind und ermutigen, werden so zu Händen Gottes. So kann eine scheinbar «eingeschränkte» Weihnachten zu einem echten Fest werden, einem tiefen Erlebnis, vielleicht weit mehr als unter «normalen» Umständen.

Ich wünsche Ihnen von Herzen frohe Weihnachten!

Urban Fink-Wagner