Editorial

Drehbuch

Wörtlich verstanden wäre es ein Buch, das sich ­drehen lässt. Im Idealfall wäre es so geschrieben, dass man es auch umgekehrt lesen könnte. Sonst stehen die Buchstaben kopfüber. Aber auch das würde in unsere Zeit passen. So vieles steht doch eigentlich auf dem Kopf. Die Coronakrise zwingt uns dazu, manche Dinge ganz neu zu betrachten. Wir sind genötigt, Gewohn­heiten aufzugeben und Selbstverständlichkeiten infrage zu stellen. Wir müssen neue Möglichkeiten suchen und ausprobieren, um das Leben für eine ungewisse Zukunft zu gestalten. Dabei ändern sich Sichtweisen, Meinungen und Positionen, gleich einem immer schneller drehenden Drehbuch.  

Das Drehbuch gehört jedoch eigentlich zum Film. Es beschreibt die Story, die dann mit der Kamera aufgezeichnet wird. Und manchmal ist das Leben wie ein Film. Jeder Tag bringt neue Szenen. Wer schreibt hier das Drehbuch? Sind wir selbst Autorinnen und Autoren unseres Lebens, oder läuft der Film ab, ohne dass wir mitgestalten können? Eigentlich wünschen wir uns schon, das eigene Drehbuch des Lebens zu schreiben. Aber manches ist vorgegeben, wird uns zugemutet oder verlangt eine Richtungsänderung, einen neuen Plan. 

Die Fastenopferkampagne lädt uns ein, über solche Drehbücher nachzudenken. Als Zeit der Umkehr fordert die Fastenzeit zum Drehen und Ändern auf. Sie fordert einen Wandel, einen Wandel in unserem Herzen, aber auch einen Wandel in unserem Handeln. Manchem müssen wir eine neue Richtung geben, damit wir und die ganze Welt nicht Opfer des Klimawandels werden. Die Fastenzeit wird zu einem Drehbuch des Wandels. Sie führt hin zu einem neuen Verständnis von Ostern, dem Fest der Lebenszusage Gottes, der Auferstehung. Maria Magdalena hat sich selbst am Ostermorgen noch mehrmals umgedreht, bis sie Jesus erkannt und verstanden hat, was dieses neue Leben bedeutet. 

Ich wünsche Ihnen eine Fastenzeit mit Chancen, an Ihrem Drehbuch neu zu schreiben. 

Kuno Schmid