Schwerpunkt

Klimagerechtigkeit – jetzt!

Wandel wagen – ­globale Gerechtigkeit fördern 

Fastenopfer ist das Hilfswerk der Katholikinnen und Katholiken in der Schweiz. Fastenopfer setzt sich ein für benachteiligte Menschen im globalen Süden – für eine gerechtere Welt und die Überwindung von Hunger und Armut. Fastenopfer fördert soziale, kulturelle, politische, wirtschaftliche und auch individuelle Veränderungen hin zu einer nachhaltigen Lebensweise. Dafür arbeitet Fastenopfer mit Partnerorganisationen in 14 Ländern in Afrika, Asien, Lateinamerika sowie mit Organisationen in der Schweiz zusammen, insbesondere mit Brot für alle, der Entwicklungsorganisation der Evangelisch-Reformierten Kirche der Schweiz.

Vielen Dank, dass Sie die Arbeit von Fastenopfer mit einer grosszügigen Spende unterstützen. 

Spendenkonto 60-19191-7

www.fastenopfer.ch 

von Stefan Salzmann (Fastenopfer) und Yvan Maillard Ardenti (Brot für alle)

Wir Menschen haben das Klima seit der Industrialisierung bereits um ein Grad Celsius erwärmt. Die Folgen sind schwerwiegend – weltweit wie auch in der Schweiz. Schon jetzt leiden viele ­Menschen im globalen Süden unter dem Klimawandel, und künftige Generationen werden dadurch bedroht. Brot für alle, Fastenopfer und Partner sein setzen sich in der Ökumenischen ­Kampagne 21 deshalb für Klimagerechtigkeit ein und zeigen, was das bedeutet. 

Extreme Wetterereignisse werden immer häufiger. In ländlichen Gebieten in Kenia verdorren zunehmend ganze Felder. Konflikte um Weideland nehmen zu. Tropische Wirbelstürme, punktuell extreme Niederschläge und Hochwasser in Haiti oder in Indonesien überfluten Felder, Ernten und Häuser und fördern Krankheiten, Hunger und Armut. Im Alpenraum messen wir bereits jetzt eine Erwärmung von durchschnittlich zwei Grad Celsius – die Gletscher schmelzen immer schneller.

Kohlendioxid und Fleischkonsum 
Kohlendioxid (CO2) ist das bedeutendste Treibhausgas, das diesen Wandel vorantreibt. Es entsteht unter anderem bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Erdöl oder Erdgas. Insbesondere Menschen in wohlhabenden Ländern und Gesellschaftsschichten verbrauchen zu viel fossile Energie – sie verursachen den Klimawandel hauptsächlich. Hinzu kommt ihr immenser Fleischkonsum. Für die Ernährung der Tiere, die dieses Fleisch liefern, wurden riesige Flächen an Wäldern abgeholzt, die nun als Weiden und für den Futtermittelanbau dienen. Betroffen vom Klimawandel sind aber sämtliche Menschen auf der Welt. Darin liegt die grosse Ungerechtigkeit. Obschon sie nur gering zum globalen CO2-Ausstoss beigetragen haben, leiden Menschen aus ärmeren Ländern besonders. Denn ihnen fehlt es an Möglichkeiten, sich an die neuen Bedingungen anzupassen. 

Hilfsprojekte statt Migration
Als Folge von extremen Wetterereignissen wandern vielerorts Menschen von ländlichen Gebieten in Vorstädte ab – überdurchschnittlich viele Männer. Zurück bleiben die Alten, die Frauen mit Kindern mit dem Haushalt und der Arbeit auf dem Feld. ­Prekärerweise kommt für sie Mehrarbeit hinzu – für die Beschaffung von Wasser in austrocknenden Gebieten oder für die Wiederherstellung von Feldern nach einem Hochwasser. Brot für alle und Fastenopfer begleiten ihre Partnerorganisationen in ­Afrika, Asien und Lateinamerika zum Thema Klimawandel. Auf den Philippinen werden Workshops angeboten, um frühzeitig auf sich abzeichnende Wirbelstürme und Überschwemmungen zu reagieren. Bäuerinnen und Bauern in Indonesien können lernen, sich an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen – mit agrar­-ökologischen Anbaumethoden, Aufforstung und trockenresistenteren Sorten. Das sind erfolgreiche Projekte, doch genügt es nicht, Symptome zu bekämpfen: Die Ursache gilt es zu beseitigen. Und hier kommt die Schweiz ins Spiel.

Die Schweiz in der Pflicht 
Die Bevölkerung in der Schweiz stösst mit ihrem Konsum im Inland 46,4 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr aus. Hinzu kommen über 65 Millionen Tonnen CO2 an «importierten» Emissionen, die bei der Produktion von Konsumgütern wie Autos, Handys usw. im Ausland anfallen. Und damit nicht ­genug: Zusätzlich wird das Zehnfache von diesen beiden Zahlen – über eine Milliarde Tonnen CO2 – durch Investitionen des schweizerischen Finanzplatzes in klimaschädliche Aktivitäten ausgestossen.

Die Schweiz hat Möglichkeiten, sich solidarisch zu verhalten: Gelder müssen klimafreundlicher angelegt werden. Sie kann andere Länder finanziell und technisch darin unterstützen, auf die Herausforderungen des Klimawandels zu reagieren und auf ökologische und sozialverträgliche Energiegewinnung umzusatteln. Klimagerechtigkeit bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Die Schweiz muss anerkennen, dass eine gerechte Klimapolitik keinen weiteren Aufschub verträgt. Sie schiebt ihre Verantwortung seit Jahrzehnten vor sich her. Bereits 1989 befasste sich die Ökumenische Kampagne mit dem Klimawandel. Damals hiess der Slogan «Die Zeit drängt». Doch die Schweiz hat seit 1990 ihren Treibhaus-
gasausstoss zu wenig gesenkt: um 14 Prozent bzw. 1,5 Mio. Tonnen (Stand 20181). Versprochen im Kyoto-Protokoll waren 20 Prozent bis im Jahr 2020. 

1,5 °C – eine Frage der Klima­gerechtigkeit
Bis anhin möchte der Bundesrat bis 2030 in der Schweiz die Treibhausgase um 30 Prozent reduzieren. Um aber unter 1,5 Grad Celsius zu bleiben, sind – abgeleitet vom Bericht des Weltklimarats IPCC und damit dem grössten wissenschaftlichen Gremium – mindestens 60 Prozent zwingend. Dazu muss das neue CO2-Gesetz so schnell wie möglich in Kraft treten. In der schweizerischen Klimapolitik ist dessen Totalrevision der schnellste Schritt, um eine Verbesserung der Klimagesetzgebung zu erreichen und um eine kontinuierliche Reduktion unserer Treibhausgasemissionen zu erreichen. Darauf können weitere Schritte aufbauen.

Wir müssen unser Leben und Wirtschaften klimaneutral gestalten – oder «netto null», wie es die Gletscher-Initiative fordert. Hier können sowohl der Staat als auch die Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz wichtige Signale senden. Individuen können den eigenen Konsum hinterfragen und reduzieren. Aber auch Wirtschaft und Politik müssen handeln. Zusammen mit der Klima-Allianz setzen sich Fastenopfer und Brot für alle dafür ein, dass die Schweiz ihre Versprechen vom Pariser Klimaabkommen einhält und ihre Ambitionen erhöht. Im Abkommen steht, dass der Klimawandel auf 2, wenn möglich auf 1,5 °C begrenzt werden soll. Laut IPCC sind 1,5 °C das Maximum, was man dem Ökosystem und damit auch der Menschheit zumuten kann, ohne unvorhersehbare Reaktionen wie z. B. Massensterben von Tier- und Pflanzenarten in Kauf zu nehmen. Zudem fordern die beiden Hilfswerke den Ausstieg von Finanzanlagen, ­welche in fossilen Energien und den Unternehmen, die diese fördern, stecken. Diese Forderungen richten sie auch an die Schweizerische Nationalbank (SNB). Die Hilfswerke werden mit einer Unterschriftensammlung an die SNB appellieren, ihre Gelder aus ­klimaschädlichen Aktivitäten abzuziehen (www.sehen-und-handeln.ch/snb).

Denn Klimagerechtigkeit bedeutet letztlich, dass die Verursacher und Verursacherinnen des Klimawandels auch Verantwortung für ihr Tun tragen – als Individuen, als Staat und als Unternehmen.