Bistumskolumne

Loslassen

Nach über 20 Jahren als Weihbischof des Bistums Basel hat sich Denis Theurillat (70) für den Ruhestand entschieden. Papst ­Franziskus hat seine Demission angenommen. Bischof Felix Gmür bedauert den Rücktritt von Weihbischof Denis und würdigt ihn als Sympathieträger des Bistums. Das Kirchenblatt dankt ihm für sein Wirken und wünscht ihm alles Gute für seine zukünftige ­Aufgabe als Seelsorger bei den ­Baldegger-Schwestern. Passend zu seinem Rücktritt verfasst Weihbischof Denis seine Kolumne unter dem Titel «Loslassen». (ksc)

Am 8. Februar 2021 hat das Bistum Basel kommuniziert, dass der Heilige Vater, Papst Franziskus, meine Demission als Weihbischof angenommen hat. Ich bin ihm sehr dankbar.

«Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit» (Kohelet 3,1). 

Es gibt eine Zeit der neuen Herausforderung und eine Zeit des Loslassens. Vor über 20 Jahren, am 22. Juni 2000, weihte mich der damalige Bischof von Basel Kurt Koch zum Bischof und berief mich zum Weihbischof. Nachdem ich mich längere Zeit mit der Möglichkeit eines Rücktritts befasst hatte, erfuhr ich am 2. Februar 2021, am Fest der Darstellung des Herrn, dass der Papst meine Demission angenommen hatte. Die Zeit des Loslassens war angebrochen. 

Das bedeutet: Ich hatte nach 20 Jahren Episkopat «gespürt», dass ich demissionieren und damit loslassen sollte. Ich spürte, dass ich meine Hand öffnen sollte und das, was ich mit den Verantwortlichen der Diözese und mit den Gläubigen umzusetzen versucht hatte – ich war in erster Linie für die Diözese Weihbischof geworden – zu Füssen meines Herrn und Gottes legen sollte: meine Arbeit mit seinen Höhen und Tiefen, mit seinen Mühen und Freuden. In einem Lied aus der Zeit, als ich junger Priester war, heisst es: «Geh jetzt weiter, dorthin, wohin der Herr dich ruft und erwartet». Diese Worte werden mich auf dem weiteren Lebensweg begleiten. Ich werde Bischof bleiben bis zur Schwelle zum Ewigen Leben. Als emeritierter Weihbischof werde ich auf eine andere Weise dienen, aber immer nach meiner Devise «das Evangelium wagen», welche mich als Getauften und Gefirmten prägt.

Es ist ein Gefühl grosser Ruhe in mir, wenn ich an die 20 intensiven und «vollen» Jahren denke, und gleichzeitig ein Gefühl grossen Dankes an alle, die es mir möglich machten, trotz manchmal schwierigen und harten Zeiten ein «glücklicher» Diener des Herrn oder ein «glücklicher» Bischof zu sein und zu bleiben. Wer auch immer wir sind, arbeiten wir daran, die Zeichen zu entziffern, welche jede und jeder von uns in seinem Leben ernst nehmen soll. Wir sollten uns auch genügend bewusst sein, dass es eine Zeit für alles unter dem Himmel gibt, auch die Zeit, leben und sterben zu lernen, damit wir einst für immer bei Gott und mit Gott sein werden.

Nachfolge Weihbischof

Ein Nachfolger für Weihbischof Denis Theurillat ist noch nicht ernannt. Zuständig dafür ist der Diözesanbischof. Im Konkordat zwischen dem Apostolischen Stuhl und den Basler Bistumskantonen aus dem Jahre 1828 ist festgelegt, dass der Bischof von Basel einen Weihbischof ernennen kann und die Kantone diesen besolden werden. Das entspricht der bisherigen kirchlichen Tradition. Das neue Kirchenrecht von 1983 sieht nun aber vor, dass die Weih­bischöfe vom Papst ernannt werden. Rom anerkennt zwar die völkerrechtlich verbrieften traditionellen Regelungen weiterhin, versucht jedoch trotzdem bei der Ernennung von Weihbischöfen seinen Einfluss geltend zu machen. So ist für das Bistum Basel der Modus entstanden, dass der Bischof von Basel seinen ersten Weihbischof selbst wählen kann und den Papst bittet, ihn zu bestätigen. Die Bistumskantone überwachen diesbezüglich die Einhaltung des völkerrechtlichen Konkordats. Allfällige weitere Weih­bischöfe werden nach innerkirchlichem Verfahren von Rom bestimmt. (ksc)