Aktuelle Nummer 08 | 2021
11. April 2021 bis 24. April 2021

Aktuell

Weihe des neuen Bischofs von Chur

Am 19. März 2021, Fest des heiligen Josef, wurde Joseph M. Bonnemain in der Kathedrale Chur zum Bischof geweiht und in sein Amt als Bischof von Chur eingesetzt. 

Dem Gottesdienst stand Kardinal Kurt Koch vor, zusammen mit den Bischöfen Peter Bürcher und Felix Gmür. Im Zentrum des Weihegottesdienstes stand das Gebet um den Heiligen Geist und die Handauflegung durch die anwesenden Bischöfe. Anschlies­send erhielt der neue Bischof das Evangelienbuch, den Bischofsring, die Mitra und den Bischofsstab als Insignien seines Amtes. 

Ein Bischof mit Wanderstab
Bischof Joseph Bonnemain wählte für das Ritual den ältesten erhaltenen Churer Bischofsstab, der aus dem Frühmittelalter stammt. Er ist aus Elfenbein gefertigt und trägt heute zuoberst ein schlichtes Kreuz. Diese frühen Bischofsstäbe galten als Wanderstöcke, weil sich die Bischöfe der alten Kirche als Wanderbischöfe verstanden. Sie lebten nicht in Residenzen, sondern waren stets unterwegs, um alle Gegenden des Bistums aufzusuchen. So will sich auch Bischof Joseph Bonnemain verstanden wissen und vermehrt auch in der Innerschweiz, in den italienischen und rätoromanischen Bündnertälern und insbesondere in Zürich präsent sein. Er forderte zum Schluss alle auf, mit ihm hinauszugehen zu den Menschen, die Hilfe und Zuspruch brauchten. 

Frauen mit Führungsfunktionen
Im Weihegottesdienst kamen Frauen zum Zuge. Die Leiterin der Zürcher Spitalseelsorge, Sabine Zgraggen, verlas die Ernennungsurkunde von Papst Franziskus. Zusammen mit der bischöflichen Kanzlerin Donata Bricci und mit Brigitte Fischer Züger vom Generalvikariat Urschweiz ging sie durch die Kathedrale, um den Gläubigen die Urkunde zu zeigen. Diese anderen beiden Frauen trugen die Lesungen vor und Tatjana Distel von der Zürcher Kantonalkirche übermittelte die Segenswünsche aller kirchlichen Mitarbeitenden des Bistums. 

Offenheit gegenüber Staat und Ökumene
Zum Weihegottesdienst war die Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, Rita Famos und der Zürcher Kirchenratspräsident Michel Müller gekommen. Die Politik war durch den Bündner Regierungsratspräsidenten Dr. Mario Cavigelli und durch den Zürcher Regierungsrat Mario Fehr vertreten. Dazu kamen die Delegationen der kantonalen kirchlichen Körperschaften. Alle waren im Weihegottesdienst auch zur Kommunion eingeladen.

Die Ultrakonservativen fehlten
Bischof Joseph Bonnemain gehört selbst der konservativen Organisation Opus-Dei an und vertritt keine fortschrittlichen Positionen. Er will aber gesprächsbereit sein und auf die Menschen zugehen. Er sagt, man müsste unterscheiden zwischen der ab­strakten Lehre und dem je persönlichen Weg, den Menschen gehen. Sein Wahlspruch ist denn auch «Homo est via Eccle­siae» – «Der Mensch ist der Weg der Kirche». Obschon er auch die ultrakonservativen Domherren um den ehemaligen Generalvikar Martin Grichting zur Feier eingeladen hatte, blieben diese fern. Sie hatten alle Kandidaten für das Bischofsamt, die ihnen Papst Franziskus vorlegte, als zu wenig stramm konservativ abgelehnt, darunter auch Joseph Bonnemain. Deshalb hat Papst Franziskus den neuen Bischof direkt bestimmt. 

Segen und Heilung
Zum Schluss überraschte Bischof Joseph Bonnemain mit einer besonderen Geste. Bevor er als Bischof den Segen erteilte, bat er da­rum, von den Gläubigen gesegnet zu werden. Er kniete sich vor dem Volk Gottes nieder. Dieser Kniefall wurde von Beobachtern als Bitte um Verzeihung für die seit 40 Jahren dauernde Leidensgeschichte im Bistum Chur gedeutet. Joseph Bonnemain war dabei kein passiver Beobachter, sondern Teil des Systems, das für Intrigen, Machtmissbrauch und Ränkespiele verantwortlich war. Nun brauche es Heilung für die vielen Verletzungen, sagt der neue Bischof, der in seinem ersten Beruf Arzt war. www.kath.ch (ksc) 

bischofsweihe 011

Wegen Corona konnte auch nach der Weihe kein ­Empfang stattfinden. Bischof Joseph M. Bonnemain ­bedankte sich nach dem Gottesdienst bei allen Gästen.

Bild: Christoph Wider, forum – Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zürich