Editorial

Leben teilen

«Teilen» oder  teilen begegnet einem oft als Funktion auf dem Mobiltelefon oder in den Sozialen Medien. Durch einfache Klicks kann ein Text oder ein Bild anderen Personen zugänglich gemacht werden. Die gleiche Information wird dann auf deren Bildschirmen sichtbar und so mit ihnen geteilt. Die Botschaft lässt sich auch öffentlich teilen, sodass sie für alle sichtbar wird, die sich dafür interessieren. Es sind Mit-Teilungen, die zirkulieren, eine Form der Kommunikation. Manche möchten so an einem beeindruckenden Erlebnis oder an einer besonderen Stimmung Anteil geben. Sie hoffen auf Anteilnahme bei den Empfängerinnen und Empfängern, denn geteilte Freude ist doppelte Freude, geteiltes Leid halbes Leid. Anteilgeben und Anteilnehmen berühren eine tiefere Dimension. Das Teilen der eigenen Sorgen mit anderen hilft, die Situation besser zu ertragen. Das hat uns die Pandemie der letzten Jahre gelehrt. Das zeigt sich aber auch in der Betroffenheit angesichts des Krieges oder der fortschreitenden Bedrohung durch den Klimawandel. In der Bedeutungsvielfalt des Teilens stecken viele Aspekte des Christseins. 

Das Teilen von Zukunftshoffnungen und gläubigem Vertrauen, von Engagement und Projektideen, das macht sich der Deutsche Katholikentag in Stuttgart über die Auffahrtstage unter dem Motto «Leben teilen» zum Programm. Alle sind zur Teilnahme an den Diskussionsforen, Workshops und Feiern eingeladen. Denn die Beteiligung aller in Kirche und Gesellschaft – ohne Diskriminierung und Spaltung – ist ein zentrales Anliegen des Katholikentages. Die Teilhabe an Entscheidungen und das Teilen von Macht und Verantwortung werden ebenso gefordert wie eine gerechtere Chancenverteilung. Aus dem Teilen des Lebens entsteht die Kraft zur Veränderung. 

«Leben teilen» wird auch erfahrbar, wenn sich Jubla-­Kinder und Jugendliche zur Zukunftsstadt Paradisos aufmachen, oder wenn die Pfadibewegung im Sommer zum Bundeslager ins Goms einlädt, um «gemeinsam Grosses zu bewegen». 

Ich wünsche auch Ihnen Begegnungen, die Ihnen ermöglichen, ein Stück Leben mit andern zu teilen.

 

Kuno Schmid