Bistumskolumne

Die «Mischpoke»

Kürzlich sinnierte die neue israelische Botschafterin in der Schweiz darüber, wie sie den Zusammenhalt Israels mit den jüdischen Gemeinden weltweit definieren würde – als eine grosse Familie, eine «Mischpoke». Bei diesem Ausdruck sträuben sich einigen bereits die Nackenhaare. Der Begriff aus dem Jüdischen hat in unserem Wortschatz einen schlechten Nachgeschmack, da er eine abwertende Note trägt. Nicht so im Mund der Botschafterin. Für sie bedeutet «Mischpoke» nicht nur die Ursprungsfamilie, sondern bezeichnet ein Bild der ganz grossen Familie, die sich über ihre Identität des Jüdischseins definiert. Eine Gemeinschaft, die sich zankt, die laut und lebendig ist, vielfältig, widersprüchlich, fromm und weniger fromm, aber sich verbunden weiss im tiefsten Innern, weil sie Juden und Jüdinnen sind. Es ist ein enormer Spannungsbogen, der durch das Jüdischsein erhalten bleibt.

Die «Mischpoke», mir gefällt der Begriff. Gerade auch, weil er das Fehlerhafte mit einschliesst, das Menschlich-allzu-Menschliche, ohne dass dabei Ausgrenzung geschieht. Das Gefühl von etwas mehr «Mischpoke» wünschte ich mir manchmal auch in unseren Diskussionen darüber, was Kirche ist und wie die Kirche in eine gelingende Zukunft findet.