Focus

Fragen, Wut und Traurigkeit

Ich habe mir am Katholik:innentag in Stuttgart die eher schwerverdaulichen Workshops ausgesucht. Die Inputs und die persönlichen Gespräche zum Missbrauch in der Kirche haben bei mir viele Fragen ausgelöst, aber auch Wut und Traurigkeit. Das erschütternde Podium #Adults­Too über Missbrauch an Erwachsenen im Raum der Kirche hat mir noch eine gewisse Distanz ermöglicht; anders der Gesprächskreis «Überlebenskünstlerinnen – Frauen berichten über Missbrauch in der Kirche». Mit rund zwanzig Personen habe ich die Berichte von Frauen gehört, denen spiritueller und sexueller Missbrauch angetan worden ist. Diese Stimmen der Betroffenen wühlen auf. 

Es braucht sie, damit sie ernst genommen werden und eine Aufarbeitung geschehen kann. Es darf nicht länger geschwiegen werden. Wir müssen nicht erst auf Studien warten. Das wichtigste Zeichen, das der Kirche hilft wieder glaubhaft zu werden, ist darüber zu reden und die Problematik transparent und ernsthaft anzugehen. Es braucht das Gespräch darüber in unserem kirchlichen Alltag und ebenso mit den Betroffenen als Ausdruck der Wertschätzung und Solidarität. 

In Stuttgart habe ich erlebt, dass Kritik laut und deutlich sein kann, dass sie ausgesprochen, aber auch gehört wird. Und ich habe gelernt, dass sexueller Missbrauch leider ganz tief in der DNA der Kirche liegt und wir bisher nur an der Oberfläche gekratzt haben. Es braucht weitere Schritte, ohne zu verletzen und noch mehr Menschen zu verlieren.