Aktuelle Nummer 20 | 2022
25. September 2022 bis 08. Oktober 2022

Focus

Die Schweiz hat der Weltkirche ­etwas zu sagen

Im Bistum Basel können auch Frauen taufen und trauen. RKZ-General­sekretär Daniel Kosch findet, dieses ­Modell könnte in der Weltkirche Schule machen. 

Raphael Rauch: Sie haben an der Fachtagung «Sakramentalität und Kirche» in Fribourg teilgenommen. Welchen Impuls bringen Sie mit?
Kosch: Die Schweizer Bischöfe haben ihr Communiqué unter den Titel gestellt: «Die Bischöfe hören den Frauen zu.» Ich denke, das Zuhören reicht im Jahr 2022 nicht mehr. Wir brauchen einen echten Dialog [...]. Es geht um einen Austausch auf Augenhöhe und dann auch um Entscheidungen.

Waren Sie enttäuscht, dass auf der Tagung in Fribourg nichts Konkretes herauskam?
Kosch: Ich habe mir von der Tagung nicht allzu viel erwartet, weil schon das Setting mit vielen relativ kurzen Vorträgen erkennen liess, dass es eher um eine Auslegeordnung geht. In der Schweiz haben wir vier Sprachregionen mit einer unterschiedlichen pastoralen Realität. Aber zumindest in der Deutschschweiz ist es dringend nötig, bald ins Handeln zu kommen und Blockaden aufzulösen, um pastorale Neuaufbrüche zu ermöglichen.

Hat Sie an der Tagung in Fribourg etwas berührt?
Kosch: Mich hat sehr berührt, wie eine erfahrene Seelsorgerin berichtete, wie schmerzhaft es für sie und die von ihr begleiteten Menschen ist, dass Seelsorge und Sakramentenfeier auseinandergerissen werden. Die Liturgie-Professorin Birgit Jeggle-Merz hat völlig recht, wenn sie darauf hinweist, dass es theologisch, aber auch im menschlichen Erleben Übergänge zwischen Zeichenhandlungen, zu denen alle Getauften ermächtigt sind, und den sieben Sakramenten gibt, denen harte kirchenrechtliche Grenzziehungen nicht gerecht werden.

Raphael Rauch
Das vollständige Interview finden Sie auf: www.kath.ch/news