Jugend

Erfahrungen im Glauben sind unterschiedlich und trotzdem richtig

von Anna Trittibach

Die 17-jährige Deborah Murga wohnt in Solothurn. In ihrer Freizeit macht sie gerne Sport, liest spannende Bücher oder unternimmt etwas mit Kollegen und ihrer Familie. Zurzeit besucht sie das letzte Schuljahr an der Kantonsschule Solothurn. In ihrer ­Maturaarbeit geht es darum, wie sich das Aufwachsen in zwei Kulturen auf den Glauben auswirkt. Da sie selbst Wurzeln in Guatemala und in der Schweiz hat, betrifft das Thema sie ganz persönlich. 

Deborah, wie lautet der Titel deiner Maturaarbeit?
Er lautet «Die Auswirkung von Interkulturalität auf den Glauben und die Identität junger Erwachsener». Ich habe Interviews mit fünf verschiedenen Personen geführt und dokumentiert, die ebenfalls den christlichen Glauben leben und interkulturell geprägt sind.

Wie bist du auf die Idee gekommen, eine Maturaarbeit darüber zu schreiben?
Es war ein längerer Prozess, bis ich mich für ein Thema entscheiden konnte. Durch die Firmung und die Friedensgebete im Scala­brini-Zentrum lernte ich die Kultur mit dem Glauben zu verbinden.  

Du schreibst in deiner Arbeit von interkultureller Zerrissenheit. Was meinst du damit? 
Für mich bedeuten sowohl Guatemala als auch die Schweiz Heimat. Ich spreche beide Sprachen und habe in beiden Ländern Menschen, die mir nahestehen. Gleichwohl stelle ich mir oft die Frage, wohin ich gehöre, denn ich fühle mich an beiden Orten akzeptiert, aber nicht zu Hause.

Welche Rolle spielt der Glaube in≈dieser Situation?
Mir hat der Glaube damals geholfen, diese Zerrissenheit zu bewältigen, und es interessierte mich, ob es anderen auch so geht. 

Was willst du mit deiner Arbeit erreichen?
Ich denke, dass die Arbeit andern interkulturell geprägten Menschen helfen kann. Sie stehen nicht allein. Dieser Gedanke hilft bei der Verarbeitung der Probleme.  

Hat deine Arbeit einen Zusammenhang mit deiner beruflichen ­Zukunft?
Ja, die Themen Kultur und Religion interessieren mich generell sehr stark. Ich denke auch, dass mein geplantes Studium in Ethnologie diese beiden Bereiche sehr gut abdecken kann.  

Wer war deine grösste Unterstützung?
Der Deutsch- und Religionslehrer Jonas Widmer war meine Betreuungsperson und unterstützte mich bei all meinen Fragen, so gut er konnte. Von zu Hause wurde ich immer wieder motiviert, was auch eine grosse Hilfe war. Aber auch Christiane Lubos, meine Eltern und verschiedene andere Menschen, die meine Arbeit immer wieder gelesen haben und mir Tipps gaben, waren mir eine grosse Hilfe. 

Was hast du während deiner ­Arbeit für dich gelernt?
Die Arbeit hat mir gezeigt, dass ich nicht allein bin mit diesen Problemen der interkulturellen Zerrissenheit. Durch die Interviews habe ich gelernt, dass es unterschiedliche Erfahrungen im Glauben gibt, aber alle Erfahrungen richtig sind. 

So und jetzt noch zum Schluss. Kannst du den Lesern das ­Ergebnis deines Projekts ganz kurz zusammenfassen?
Ja klar. Was ich sagen kann:  Mir ist klar geworden, dass Glaube und Kultur in einer Wechselwirkung stehen. Und dass der Glaube von interkulturell geprägten Menschen bei der Suche nach ihrer Identität ihnen viel helfen kann.

Vielen Dank, liebe Deborah für das spannende Interview. Ich wünsche dir alles Gute.