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Focus
Ein Kreuzweg für den Petersdom aus Biel
Seit Beginn der Fastenzeit hängen im Petersdom in Rom 14 Bilder eines neuen Kreuzweges. Gemalt hat sie Manuel Dürr aus Biel. Der zuvor eher unbekannte Künstler hat als Gewinner eines internationalen Wettbewerbs vom Vatikan den Auftrag erhalten, im Umfeld von Michelangelo, Bernini und anderen Grössen der Kunstgeschichte Kreuzwegstationen für heutige Pilger zu gestalten.
Bevor der Maler die Bilder persönlich nach Rom gebracht hat, konnten einige Mitglieder der Diözesanen Bau- und Kunstkommission und des Bischofsrates sie auf seine Einladung hin im Atelier in Biel besichtigen. Ähnlich wie Ikonen will Manuel Dürrs Kreuzweg nicht äusseres, historisches Geschehen darstellen, sondern die Betrachtenden zu persönlicher, innerer Begegnung einladen.
Beeindruckt hat uns, wie versöhnlich Manuel Dürr die oft gewaltvollen Kreuzwegstationen malt: Der Künstler stellt die Personen, die aktiv an der Hinrichtung Jesu beteiligt sind, frei von jeder negativen Kennzeichnung oder persönlichen Bösartigkeit dar. So vermeidet Dürr auch den jahrhundertelangen Irrweg vieler Kreuzwegdarstellungen, die Jesus aus seiner jüdischen Identität und Umwelt herausgelöst oder christliche Enterbungstheologien vertreten haben, was vielfache antijüdische Ressentiments und Gewalttaten befördert hat.
Entstanden ist so ein Kreuzweg, der in klassisch-figürlicher Malerei aktuelle Themen herausfordernd aufgreift: Solidarität und Zuwendung überwinden Gewalt, ja sogar staatlich-militärische Macht. Nicht Gegen-Gewalt, sondern die Liebe von Gott und Menschen führt zur Erlösung.
Die Sendung SRF Kulturplatz hat den Künstler vom Atelier in Biel auf dem Weg nach Rom bis zur Einsegnung im Petersdom begleitet, und im Podcast «Laut + Leis» gibt Manuel Dürr Auskunft über seine Arbeit.
Der Kreuzweg, der anlässlich des 400. Jahrestages der Weihe des Petersdoms in Auftrag gegeben wurde, ist das zweite grosse Kunstwerk im Petersdom mit Bezug zum Bistum Basel. Vor 75 Jahren wurde die «Heilige Pforte» vom Bistum Basel gestiftet: Dieses nördlichste Portal des Petersdoms wird nur in jedem Heiligen Jahr geöffnet und dient Pilgerinnen und Pilgern als Ziel ihrer Rom-Wallfahrt. Seit 2026 lädt der Kreuzweg von Manuel Dürr in jeder Fastenzeit zur Pilgerfahrt und Meditation ein.
Detlef Hecking, Pastoralverantwortlicher, Bistum Basel
zum Kulturplatz-Beitrag von SRF zum Thema