Schwerpunkt
Die Leistungen der Solothurner Landeskirchen und Kirchgemeinden
von Urban Fink-Wagner
Aus den Kirchensteuern von Unternehmen zahlt der Kanton Solothurn seit 2020 pro Jahr 10 Mio. Franken an die drei Landeskirchen aus. Im Sommer 2026 wird der Kantonsrat für die Periode 2027–2032 diesen Fixbetrag neu festlegen. Die drei Landeskirchen publizierten soeben eine Leistungsbilanz über ihre Tätigkeit und einen Bericht über die gesamtgesellschaftlichen Leistungen der Kirchgemeinden. Beide Untersuchungen zeigen auf, dass die Auszahlung der 10 Mio. Franken pro Jahr mehr als gut begründet ist, denn die kirchlichen Institutionen erbringen damit Leistungen von über 23 Mio. Franken.
Die Leistungsbilanz der Solothurner Landeskirchen
Die Leistungsbilanz der Solothurner Landeskirchen (römisch-katholisch, reformiert und christkatholisch) zeigt, wie öffentliche Mittel aus dem Finanzausgleich in den Jahren 2020–2024 eingesetzt wurden. Insgesamt stehen bisher jährlich rund 4 Mio. Franken zur Verfügung, wovon die römisch-katholische Landeskirche mit rund etwa 60 % den grössten Anteil hält und damit eine zentrale Rolle einnimmt.
Die Mittel werden klar strukturiert verwendet: rund 55–60 % für Fachstellen und die Spezialseelsorge; rund 30 % für kirchliche und soziale Organisationen (Drittorganisationen) sowie rund 10–15 % für Investitionen in kirchliche Infrastruktur.
Die Leistungsbilanz zeigt auf, dass die Gelder konsequent gemäss gesetzlichem Auftrag eingesetzt werden und Leistungen mit hoher gesellschaftlicher Bedeutung – oft unabhängig von der Religionszugehörigkeit – finanzieren.
Zentrale Leistungsbereiche
1. Seelsorge und Unterstützung in Krisensituationen
Ein Schwerpunkt liegt auf der Spezialseelsorge, insbesondere in Spitälern, Gefängnissen und bei Notfällen. Diese Angebote begleiten Menschen in existenziellen Situationen, unterstützen Angehörige und entlasten Fachpersonal. Der Bereich der Spezialseelsorge und die ökumenische Fachstelle für Religionspädagogik sind erfolgreiche Beispiele der ökumenischen Zusammenarbeit im Kanton Solothurn.
2. Bildung, Jugend und Kultur
Die Landeskirchen investieren gezielt in die Ausbildung von Religionslehrpersonen, in die Jugendarbeit sowie in kirchenmusikalisch-kulturelle Angebote. Diese Leistungen fördern Wertevermittlung, soziale Kompetenzen und gesellschaftliche Integration.
3. Soziales Engagement über Drittorganisationen
Ein bedeutender Teil der Mittel fliesst an Organisationen wie Caritas, HEKS oder die Ehe- und Lebensberatung. Diese leisten konkrete Hilfe bei Armut, Migration, psychischen Belastungen oder familiären Krisen. Die Angebote sind niederschwellig und stehen allen offen. Die Kirchen übernehmen damit Aufgaben, die staatliche Angebote ergänzen oder überhaupt erst ermöglichen.
4. Infrastruktur und Wirtschaftsfaktor
Die Landeskirchen unterstützen Kirchgemeinden bei Bau- und Renovationsprojekten. Zusammen mit den Eigeninvestitionen der Kirchgemeinden entstehen jährlich Investitionen von über 5 Mio. Franken. Dadurch werden nicht nur wertvolle, das jeweilige Dorf prägende Kirchengebäude erhalten, sondern auch regionale Wirtschaftskreisläufe gestärkt.
Fazit bezüglich der Arbeit der Landeskirchen
Die Solothurner Landeskirchen sind weit mehr als religiöse Institutionen. Sie sind wichtige Akteure im sozialen, Bildungs- und Kulturbereich. Insbesondere die römisch-katholische Landeskirche spielt eine bedeutende Rolle und trägt entscheidend dazu bei, dass vielfältige gesellschaftliche Leistungen langfristig gesichert und für alle zugänglich bleiben.
Die Leistungen der Solothurner Kirchgemeinden
Der Bericht über die gesamtgesellschaftlichen Leistungen der Solothurner Kirchgemeinden zeigt auf, dass diese über ihre religiöse Aufgabe hinaus zentrale gesellschaftliche Funktionen erfüllen.
Die Datengrundlage basiert auf einer repräsentativen Umfrage: Die einbezogenen römisch-katholischen Kirchgemeinden decken rund 40 % aller katholischen Mitglieder ab. Entsprechend haben ihre Leistungen ein grosses Gewicht für die Gesamtbewertung.
Breites Engagement für die Gesellschaft
Die 72 römisch-katholischen Kirchgemeinden bieten – wie auch die 21 reformierten und die 4 christkatholischen Kirchgemeinden – ein vielfältiges Angebot, das weit über Gottesdienste hinausgeht. Dazu gehören insbesondere: Kinder- und Jugendarbeit (z. B. Lager, Gruppen, Jungwacht Blauring), Angebote für Seniorinnen und Senioren, kulturelle Aktivitäten und Kirchenmusik sowie soziale Unterstützung für benachteiligte Personen.
Diese Angebote stehen mehrheitlich allen Menschen offen, unabhängig von deren Religionszugehörigkeit. Sie schaffen Begegnungsräume und fördern den sozialen Zusammenhalt in den Städten und Dörfern. Insgesamt zeigt sich: Ein grosser Teil der Aktivitäten richtet sich bewusst an die breite Bevölkerung und nicht nur an Kirchenmitglieder.
Ressourceneinsatz auch für gesellschaftliche Leistungen
Ein zentrales Ergebnis ist, dass auch in den römisch-katholischen Kirchgemeinden mehr Ressourcen in gesellschaftliche Angebote als in Gottesdienste fliessen. Über alle Kirchgemeinden hinweg werden rund 400 000 Stunden Arbeit pro Jahr geleistet, davon fast die Hälfte ehrenamtlich, also ohne Entlöhnung. Gerade bei den gesellschaftlichen Angeboten ist der Anteil an Freiwilligenarbeit besonders hoch. Ohne dieses Engagement wären viele Angebote nicht möglich.
Wichtige Rolle als lokale Infrastrukturträger
Die Kirchgemeinden stellen ihre Infrastruktur aktiv zur Verfügung: Räume werden häufig kostenlos oder vergünstigt an Vereine, öffentliche Institutionen und Privatpersonen vermietet. Damit sind sie wichtige Träger des lokalen Gemeinschaftslebens und unterstützen konkret die Zivilgesellschaft.
Zusätzlich leisten die Kirchgemeinden direkte finanzielle Beiträge mit Spenden und Kollekten von mehreren hunderttausend Franken jährlich an kirchliche, soziale und gemeinnützige Organisationen.
Der Gesamtwert der gesamtgesellschaftlichen Leistungen aller Kirchgemeinden wird auf mindestens 19,8 Mio. Franken pro Jahr geschätzt. Da die römisch-katholischen Kirchgemeinden die grösste Gruppe darstellen, tragen sie einen entsprechend grossen Anteil zu diesem Gesamtwert bei. Die Leistungen übersteigen die Beiträge aus den Kirchensteuern juristischer Personen (ca. 6 Mio. CHF) um ein Mehrfaches.
Fazit bezüglich der Leistungen der Kirchgemeinden
Die 97 Solothurner Kirchgemeinden prägen das gesellschaftliche Leben im Kanton Solothurn wesentlich mit. Sie verbinden religiöse Aufgaben mit einem breiten sozialen Engagement und leisten einen entscheidenden Beitrag zum Zusammenhalt, zur Integration und zur Lebensqualität in den Gemeinden, wie das andere Organisationen kaum so flächendeckend und so günstig im Kanton Solothurn tun können.
Somit sind die 6 Mio. Franken pro Jahr aus den Kirchensteuern von Unternehmen für den Finanzausgleich unter den Kirchgemeinden sehr effizient eingesetzt.
Zum Schluss
Die gesamtgesellschaftlichen Leistungen der Landeskirchen und Kirchgemeinden übersteigen mit einem Gegenwert von mindestens 23 Mio. Franken die Beiträge von 10 Mio. Franken aus der Kirchensteuer von Unternehmen deutlich. Eine Senkung des bisherigen Fixbeitrags von 10 Mio. Franken pro Jahr aus den Kirchensteuergeldern von Unternehmen würde auch die gesamtgesellschaftlichen Leistungen der Kirchen reduzieren. Das hätte zur Folge, dass der Kanton Solothurn zumindest einen Teil der ausfallenden Leistungen aus allgemeinen Steuermitteln finanzieren müsste. Staatliche Leistungen aber sind weit teurer als kirchliche.
Somit ist die Weiterführung des Fixbeitrags von 10 Mio. Franken pro Jahr nicht nur gerechtfertigt, sondern auch zukünftig sehr sinnvoll.