Editorial

Kirche und Gesellschaft

Schon unter den Aposteln erhielt einer von Jesus die Vollmacht, das gemeinschaftliche Vermögen zu verwalten (Johannes 13,29). Seit der Urkirche wird Kirchenvermögen dazu eingesetzt, den Gottesdienst, die Verkündigung und den Dienst am Nächsten zu garantieren. Rund 2000 Jahre später hat sich diese Situation nicht verändert. Sie ist jedoch vielfältiger und um einiges komplexer geworden. Das Wirkungsgebiet und Umfeld der Kirche hat sich massiv vergrössert. Obwohl finanzielle und wirtschaftliche Fragen rund um die Kirchen oft nicht gern in der Öffentlichkeit diskutiert werden, sind sie für die Zukunft ihres Auftrags zentral. Dabei wird eine Frage immer akuter: Was machen die Kirchen, wenn ihnen mehr und mehr die finanziellen Mittel fehlen?

Kirchen brauchen finanzielle Mittel – nicht aus Selbstzweck, sondern weil sie ganz konkrete Aufgaben erfüllen und Strukturen aufrechterhalten müssen. Die Kirche ist kein Unternehmen oder Konzern, aber das Geld ist ein Werkzeug, das Seelsorge, Diakonie und Caritas ermöglicht. Konkret müssen Infrastruktur, Personal, soziale Arbeit, Gemeindeleben und Bildung finanziert werden. Ohne Geld geht es auch in der katholischen Kirche im Kanton Solothurn nicht. Hier beruht das kirchliche Finanzierungssystem auf den Säulen: Kirchensteuern von Mitgliedern und Firmen, Beiträge des Kantons für gesamtgesellschaftliche Leistungen sowie Kollekten und Spenden. Ohne diese Mittel gäbe es entweder keine Strukturen mehr – oder alles würde komplett ehrenamtlich und sehr eingeschränkt laufen. Kirchen sind jedoch heute umfangreiche Organisationen mit gesellschaftlicher Rolle. So erbringen zum Beispiel die drei Solothurner Landeskirchen und Kirchgemeinden jährlich gesellschaftliche Leistungen im Wert von über 23 Millionen Franken. Dies zeigen zwei unabhängige Studien des Forschungsinstituts Ecoplan, deren Ergebnisse Ende März 2026 in Solothurn der Öffentlichkeit präsentiert wurden und in dieser Ausgabe des «Kirchenblatt» im Schwerpunkt-Artikel erläutert werden. Die 97 Solothurner Kirchgemeinden prägen das gesellschaftliche Leben im Kanton Solothurn wesentlich mit. Die nächsten Monate werden darüber entscheiden, ob dieses soziale und kulturelle Engagement auch weiterhin möglich sein wird.     

Mit freundlichen Grüssen 
Reto Stampfli