Editorial

Papa mobil

Ein Papst kommt selten allein – das ist eine alte Weisheit. Wann und wo auch immer ein Pontifex auftaucht, seine umfangreiche Gefolgschaft zeugt eindrücklich von der herausragenden Bedeutung seiner Person. Ritt er früher auf einem prächtigen Schimmel in den Papstpalast ein, so braust der moderne Bischof von Rom mit einem extra für ihn gefertigten Mobil durch die versammelte Menge. Trug der martialische Renaissance-Papst Julius II. mit Vorliebe einen silbernen Brustpanzer, so beschränken sich die Päpste der Neuzeit auf ein einfaches Priestergewand. Noch vor hundert Jahren gehörte es sich für einen pflichtbewussten Papst, dass er sich kaum in der Öffentlichkeit zeigte. Zwar sollen ja bekanntlich alle Wege nach Rom führen, für den jeweiligen Papst gab es jedoch keinen mehr aus der ewigen Stadt heraus, denn seit Pius IX. trotzten die Kirchenführer dem italienischen Staat und der ganzen Welt. Erst Paul VI. überschritt in den 1970er-Jahren wieder offiziell die Grenzen Italiens. 

Schwebten bis zum Pontifikat von Johannes XXIII. die Päpste auf einem Tragsessel, der sogenannten Sedia gestatoria, über die Köpfe der Gläubigen hinweg, wurde dieses Relikt unter Paul VI. durch das Auto abgelöst. Johannes Paul II. liess sich dann ein spezielles Gefährt anfertigen, welches als «Papamobil» Bekanntheit erlangte. Der reisefreudige Pole umrundete x-fach den Erdball. Die Reisebegeisterung von Papst Benedikt hielt sich hingegen in Grenzen. Papst Franziskus wählte von Anfang an bedeutungsvolle Destinationen aus, so unter anderem Lampedusa, Israel und Kuba. Während seines Pontifikats erfolgte ein erstaunliches Aufkommen von Kleinwagen im Vatikan. Diese PS-Gesundschrumpfung zeigt auch bei Papst Leo noch Wirkung, denn die grossen schwarzen Limousinen lässt auch er lieber im Museum stehen. Aber der 69-jährige Amerikaner steht für eine neue Art von Mobilität: Er hält sich fit und hat sich dem Sport verschrieben. Er joggt zwar nicht durch die Menschenmengen, spielt aber Tennis und schwimmt in Castel Gandolfo seine Bahnen. In seinem Schreiben «Das Leben in Fülle – Über die Bedeutung des Sports» fasst er das Ganze in Worte: «Der Sport wird auf diese Weise zu einem Ort, an dem man lernt, sich um sich selbst zu kümmern, ohne sich zu vergötzen, über sich hinauszuwachsen, ohne sich selbst auszulöschen, und zu konkurrieren, ohne die Geschwisterlichkeit zu verlieren.»

Mit sportlichen Grüssen 

Reto Stampfli