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Tyrannenmord wäre heute problematisch

Wenn die Tötung eines Tyrannen keine durchgreifende Verbesserung der Lage seines Volkes herbeiführen kann, wäre sie problematisch – trotz der Grausamkeit des Despoten. Das meint der deutsche katholische Moraltheologe Bormann.

(KNA) Die Brutalität despotischer Regime wie in Russland oder im Iran ist offensichtlich. Doch wäre aus christlicher Sicht ein Tyrannenmord deshalb gerechtfertigt? Der katholische Moraltheologe Franz-Josef Bormann (61) hält eine «Übertragung der traditionellen Denkfigur eines ‹Tyrannenmordes› auf die aktuellen Verhältnisse in Russland oder im Iran» für sehr fragwürdig und problematisch.

In der Zeitschrift «Herder-Korrespondenz» (Juni) schreibt Bormann: «Auch wenn der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine massgeblich auf Betreiben Wladimir Putins erfolgte, mangelt es gegenwärtig nicht nur an einer ausreichend starken innerrussischen Opposition gegen das quasi-diktatorische Wirken des Präsidenten.» Es fehle auch eine «begründete Aussicht, durch dessen Beseitigung tatsächlich eine durchgreifende Verbesserung der Lage herbeiführen zu können».

Franz-Josef Bormann ist seit 2008 Inhaber des Lehrstuhls für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen.