Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Schwerpunkt

Das Land, das uns ernährt

von Jan Tschannen | Fastenopfer

Wo riesige Monokulturen entstehen, verlieren oft lokale Gemeinschaften ihr Land und damit die Grundlage zum Leben. Der Bezug zu Land, wie er in der Bibel beschrieben wird, hat sich im letzten Jahrhundert enorm verändert – nicht unbedingt aber für Kleinbauernfamilien in armen Ländern.

 

Fragt man sich, wann zuletzt Erde an den eigenen Händen klebte, können sich wohl viele kaum daran erinnern. Beim Umtopfen einer Zimmerpflanze vielleicht, vor einem Jahr. Während unsere Grosseltern von ihrer Hände Arbeit gegessen und gelebt haben, liegt die Gebundenheit an einen Flecken Erde in unserer Gesellschaft weit zurück. Die mittelalterliche «Schollenpflicht», die unfreie Bauern zur Bebauung eines dem Gutsherren gehörenden Acker verpflichtete, wurde durch das Bedürfnis nach Mobilität der Arbeitskräfte für die industrielle Produktion abgeschafft. Damit ging auch die Möglichkeit verloren, selbst Nahrungsmittel anzubauen. Doch Land bleibt trotz Industrialisierung und Mobilitätsgesellschaft als nährende Erde und als Grund einer Wohnstatt in doppeltem Sinne unsere Lebensgrundlage. Davon erzählen unsere Lebensgeschichten in Westeuropa aber kaum mehr.

Der christlich-jüdische Schöpfungsmythos spricht dagegen aus einer agrarisch geprägten Gesellschaft. Seine Bilder entsprechen eher einer Lebensrealität von Menschen in armen Ländern: Denn die Schöpfungsgeschichte zieht eine direkte Linie von der Existenz des Menschen zu seiner Verbundenheit mit der Erde. Bei seiner Entstehung wird der Mensch dort aus Erde geformt. Das zeigt sich auch in seinem Namen; Adam, hebräisch Mensch, wird vom Wort «adamah», hebräisch Ackerboden abgeleitet. Die Erde zu bebauen und zu bewahren, wird gleich darauf zu seinem gottgegebenen Auftrag.

Auch ein Stück Land als Lebensraum wird über weite Teile des ersten Testamentes verhandelt. Die Landverheissung als Motiv in der Geschichte Israels beginnt bei Abraham, wird gegenüber Mose beim Auszug aus Ägypten erneuert und nach dem Einzug ins Land durch die Erfahrung des Exils wieder infrage gestellt. Land bewohnen zu können, ist für die Menschen der biblischen Geschichten also nicht selbstverständlich, sondern ein Geschenk Gottes.

Das Phänomen, das wir heute als «Land Grabbing» bezeichnen – Mächtige, die sich zur eigenen Bereicherung Land aneignen – kommt ähnlich in der Bibel schon vor. Der Prophet Elias berichtet etwa vom Raub eines Weinberges des Nabot durch König Ahab, und Samuel warnt das Volk davor, Gott durch einen menschlichen König zu ersetzen, der ihnen ihre «besten Felder, Weinberge und Olivengärten» nimmt 1. Sam 8,14.

Auch heute führt der Verlust von Land zu denselben Problemen: Betroffene können sich nicht mehr selbst ernähren. Land soll dem Leben dienen und nicht dem Profit, lautet deshalb die zentrale Forderung der Ökumenischen Kampagne. In Indonesien zum Beispiel sind aber Zehntausende Qua­dratkilometer von Land Grabbing betroffen, Schweizer Banken sind dabei an der Finanzierung beteiligt.  

Dem lässt sich etwas entgegensetzen: Mit der «Aktion Neuland» werden leere Paletten oder andere Behälter zu Parzellen voller Leben. Etwas gute Erde einfüllen, Samen säen, und schon bald spriesst das Grün. So kommen wir selbst wieder mit der Erde in Kontakt, und lernen, was für ein kostbares Gut sie ist.   

 

 

logo NEULLAND 3

Ohne Rücksicht auf die lokale Bevölkerung werden in Indonesien und andernorts Ölpalm-Plantagen angelegt. Dagegen wenden sich Brot für alle, Fastenopfer und Partner sein mit der Ökumenischen Kampagne 2017. Wo sich Monokulturen über Quadratkilometer ausbreiten, fehlt der Raum fürs Leben: Ohne Boden, keine Nahrungsmittel. Auch Schweizer Banken und Pensionskassen mischen mit. Sie sollen solche Geschäfte aufgeben und ihre Verantwortung für die Menschenrechte und den Schutz der Umwelt wahrnehmen, fordern die Entwicklungsorganisationen. 

Die Aktion Neuland macht den Verlust von Land für die Ernährung anschaulich: Viele Paletten in Pfarreien und Kirchgemeinden sollen während der Kampagne bepflanzt werden – Blumen oder Gemüse bringen Leben auf öde Flächen. Bewährter Begleiter der Ökumenischen Kampagne ist auch 2017 der Fastenkalender. In dieser Zeit sammeln Fastenopfer, Brot für alle und Partner sein Spenden, z. B. mit dem Verkauf von Rosen. Daraus werden wie jedes Jahr Projekte der Werke unterstützt, die vielen Menschen Hoffnung und Mut machen. 

 

Unsere digitalen Rosen bereiten doppelt Freude

Mit der App «Give a Rose» von Brot für alle und Fastenopfer kann man eine digitale Rose oder einen ganzen Rosenstrauss kaufen und seinen Liebsten eine Freude bereiten. Ob zum Geburtstag, Jubiläum oder einem anderen Ereignis – diese Rosen machen doppelt Freude. Aus dem Erlös wird ein ökumenisches Projekt für Bauernfamilien in Guatemala unterstützt, damit sie ihre Ernährung besser sichern und ihre Rechte stärken können. Je grösser das Rosenfeld, desto grösser die Wirkung. Jede Rose kann mit einer Widmung versehen und ins digitale Rosenfeld gepflanzt werden. Sie können ihre Rose auch auf Facebook teilen oder elektronisch versenden. 

 

fastenopfer logo links

Fastenopfer 

Alpenquai 4, 6002 Luzern, Telefon 041 227 59 59

mail@fastenopfer.ch

www.fastenopfer.ch

Postcheckkonto 60-19191-7