Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Focus

Begegnung auf Augenhöhe

Die Ökumenische Kampagne 2017 von Fastenopfer und Brot für alle macht auf die illegale Landnahme im Süden aufmerksam. Für die Bevölkerung, denen Land weggenommen wird, bedeutet das nicht nur Hunger und Armut, sondern Verlust ihrer kulturellen Wurzeln. Umso mehr ist Solidarität gefragt. 

Auf dem diesjährigen Hungertuch sehen wir nur zwei Bilder, die durch ihre Symmetrie zu einem werden. Der aufeinander gerichtete Blick und die ausgestreckten Arme trotzen dem Zwischenraum. Der nigerianische Künstler Chidi Kwubiri unterlegt dem Hungertuch das afrikanisches Sprichwort «Ich bin, weil du bist». Diese Bedingung zur Gegenseitigkeit lässt sich auf die beiden dargestellten Menschen beziehen. Sie stehen sich gegenüber und begegnen sich auf Augenhöhe. So kann das Bild als eine Absage an asymmetrische Machtverhältnisse gelesen werden. Erst, wenn der globale Norden den Süden als gleichwertigen Partner wahrnimmt, erst auf gleicher Augenhöhe entsteht Gemeinschaft und Solidarität.

Das Sprichwort «ich bin, weil du bist» kann sich auch auf das zweite Gegenüber im Bild beziehen: auf das Land, das als Bildgrund stilisiert ist. Es nährt, hält am Leben, ja, die Menschen sind Teil davon. Und für viele hat das Land eine spirituelle Bedeutung. Es ist Heimat, Erbe der Vorfahren, vielleicht sogar Ort, wo Kontakt gefunden wird mit den Ahnen. Geht dieser Bezug verloren, verlieren viele lokale Gemeinschaften nicht nur das Land, sondern einen Teil ihrer Kultur.

Madlaina Lippuner, 
Fastenopfer (gekürzt)