Aktuelle Nummer 24 | 2019
24. November 2019 bis 07. Dezember 2019

Schwerpunkt

Die Probe

von Peter Brotschi

Der Verein «Kultur in der Kirche» KiK bringt ein Passionsspiel zur Aufführung, das die biblische Passionsgeschichte mit den Lebensumständen der Menschen von heute verbindet. Biblisches Geschehen in die Welt von heute hineinversetzen und so mit unserer Aktualität verquicken, das ist eine Zielsetzung der Theatermacher. Man will die Menschen in ihrer Realität berühren.

Zwei Zeitebenen stehen einander gegenüber und man erfährt bald einmal, dass die weit voneinander liegenden Zeiträume viele Gemeinsamkeiten haben. Die Musik und der Gesang prägen das Passionsspiel wesentlich.

Die Idee des spartenübergreifenden Passionsspiels entstammt aus der Fachgruppe Musik des Solothurner Kuratoriums, der Georges Regner angehört. Er ist auch der musikalische Leiter des Projekts. Christoph Schwager, Theologe und Theatermann, ist geradezu prädestiniert, als Autor und künstlerischer Leiter das Projekt zu begleiten. Als Komponist und Organist konnte der junge Kirchenmusiker Christoph Mauerhofer gewonnen werden. Er ist seit 2014 Hauptorganist der Pfarrei St. Marien in Olten.

Die biblischen Passionstexte sollen als Grundlage dienen und einen klaren Bezug zur Aktualität herstellen. So werden theologische Fragen, welche die Menschen in der heutigen Zeit beschäftigen, zur Sprache kommen, ohne dabei moralisierend zu wirken. 

Zum Stückinhalt
Es handelt sich um ein Theater im Theater. Eine Theatergruppe probt das Passionsspiel und steht kurz vor der Premiere. Der Regisseur unterbricht den Spielverlauf jeweils und bringt Korrekturen an. In diesen Unterbrechungen werden die Inhalte der Passionsgeschichte in einen Bezug zur heutigen Aktualität gebracht. Auf diese Weise werden die Brisanz wie auch die Tragödie dieser biblischen Texte spürbar. Obwohl die beiden Geschichten, die der Bibel und die des Theaterteams, zeitlich und geografisch weit auseinander liegen, berühren sie einander, bis sie sich schlussendlich zu einer einzigen Erzählung verbinden.

So wird «Die Probe» zu einem modernen Passionsspiel, das die Zuschauenden letztlich bei ihren eigenen Glaubens- und Lebensfragen abholt. Wichtig ist aber, dass das Theaterstück keine fertigen Antworten geben will, sondern ehrlich und sachlich Alltagsfragen erzählerisch und unterhaltsam in den Raum stellen will.

Zur verstärkten Darstellung der zwei Ebenen verwendet der Autor die Schriftsprache für die biblischen Textteile und die Mundart für den aktuellen Bezug. Das Stück wirft relevante Fragen auf und kennt keine Tabus. So wird aus der Tatsache, dass Jesus ganz Mensch gewesen sei, in einer Unterbrechung die Frage aufgeworfen: «Wenn Jesus ganz Mönsch gsi isch, so heisst das doch au, dass er alles gha het wo zu öis Mönsche ghört. Angscht, Fröid, Wuet, au s Gfüül für ne Frau?»  

Und Johnny, ein beobachtender Störefried, reagiert auf den Text «selig sind die …» des Passionspiels mit folgendem Einwand: «Das isch scho rächt, das mit däm «selig sind». Aber das isch nume e Vision, das si Sätz über d’Hoffnig, wies sötti oder chönnti sii. Aber ig wot wüsse, was Wooret isch? Verstoosch, Tatsache, Facts!»  

 

Informationen zum Projekt:

Aufführungsdaten | 6. / 7. / 8. / 9. / 11. / 14. April 2017, jeweils 20.30 Uhr

Produktion | Kultur in der Kirche KiK

Text und Regie | Christoph Schwager

Musik | Christoph Mauerhofer

Musikalische Leitung | Georges Regner

Aufführungsort | Marienkirche, Engelbergstrasse 25, Olten

Reservation | dieprobe.ch oder Buchhandlung Klosterplatz Olten, Telefon 062 212 27 39

Begleitveranstaltungen | Ausstellung zum Passionsspiel von Willy Fries, Wattwil «Entwürfe zur Grossen Passion»

Publikumsgespräch | im Anschluss an die Vorstellungen jeweils am Freitag und am Samstag.

 

Schwager Christoph
Interview mit dem Autor und künstlerischen Leiter, Christoph Schwager

 

Wie kamst du dazu, ein Passionsspiel zu schreiben?
Ich hatte schon längere Zeit die Idee mit mir herumgetragen, die biblische Passionsgeschichte zu reflektieren, zu aktualisieren und auf die Bühne zu bringen. So kam die Anfrage aus dem Solothurner Kuratorium zum richtigen Zeitpunkt, ja es wurden geradezu offene Türen eingerannt.

Warum wagst du dich an ein biblisches Thema?
Als Theologe ist mir die biblische Bot-schaft im Umfeld der heutigen Zeit ein Anliegen, das ich als Theaterautor szenisch umsetzen kann. So gesehen umarmen sich meine zwei Berufe.

Wie ist es dir gelungen, das Theaterteam zusammenzustellen?
Zunächst haben wir den Verein Kultur in der Kirche (KiK) gegründet, der unter der Leitung des ehemaligen reformierten Pfarrers von Wangen bei Olten, Erich Huber, steht. So haben wir für das Projekt eine solide Organisationsbasis schaffen können. Für den Chor haben wir ein Casting veranstaltet und einen Ad-hoc-Chor zusammenstellen können. Für das Schauspiel habe ich gezielt Leute für die verschiedenen Rollen angefragt. Es sind Laienschauspieler, mit denen ich schon zusammengearbeitet habe oder die ich vom Schwager Theaterinstitut kenne. 

Kannst du etwas sagen zu den geplanten Rahmenveranstaltungen?
Während der Aufführungszeit, vom 6. bis 14. April 2017, in der Marienkirche Olten ist eine Begleitausstellung mit Bildern von Willy Fries aus Wattwil geplant. Sie zeigt Entwürfe zur Grossen Passion, die täglich stattfindet, oft in unserer nächsten Umgebung.

Zudem sind am Freitag und am Samstag im Anschluss an die Aufführungen Publikumsgespräche vorgesehen. Das Publikum soll die Gelegenheit haben, mit den Aufführenden ins Gespräch zu kommen. Wir versprechen uns eine angeregte Auseinandersetzung mit den Themen der Passionsgeschichte.