Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Editorial

Festzeiten

Festzeiten unterbrechen den gewohnten Alltag. Sie sind wie geschenkte Zeitinseln, die Raum geben, um über das Leben nachzudenken, sich am Leben zu freuen, das Leben zu feiern. Ganz besonders trifft diese Charakterisierung auf die Osterfesttage zu. Die Natur erwacht zu neuem Leben und verdrängt die winterliche Totenstarre. Es drängt zu entspannender Freizeit in der Frühlingsstimmung. Die Christen feiern den Sieg des Lebens über den Tod, sie gedenken des Gottes des Lebens, der alles bis in den Kreuzestod solidarisch hineinholt in seine Lebenszusage. Doch mit solchen abstrakten Worten entsteht noch keine Festzeit. Für Festzeiten braucht es auch ganz konkrete Dinge.

Festzeiten möchten besonders schön sein. Deshalb braucht es Vorbereitungen, Dekorationen, Pläne für den Ausflug, besonderen Schmuck und Gegenstände, die das Fest auszeichnen. Palmenbinden, Kreuzverehrung, das Bemalen der Ostereier oder geschmückte Blütenzweige zeichnen die Karwoche und Ostern aus. Es gehört auch eine innere Vorbereitung dazu, wie die besinnliche Fastenzeit.

Festzeiten möchten besonders hell leuchten. Deshalb spielen Lichter, Feuer und Kerzen eine wichtige Rolle. Beim Osterfest ist es die Osterkerze, die am Osterfeuer als Symbol für den auferstandenen Christus angezündet wird. 

Festzeiten möchten besonders schmecken. Deshalb gehören zu Festzeiten besondere Speisen. Zum Karfreitag beispielsweise gehören Fastenspeisen ohne Fleisch oder ein Fischmenü. An Ostern sind Süssigkeiten meist in Form von Schoggihasen beliebt. Aber auch die Ostereier dienen dem Eiertüschten und dem anschliessenden Verzehr. 

Festzeiten leben von Erzählungen. Die Gestaltungen, die Lichter, die Speisen bekommen ihren besonderen Festsinn erst durch das deutende Wort, durch die Einbindung in die erinnernde Festtageserzählung. In der österlichen Festzeit sind es die Erzählungen von der Passion und der Auferstehung von Jesus Christus. Die gemeinsame Erinnerung in einer Erzählgemeinschaft ist der Schlüssel für gelingende Feste. Deshalb ist auch die Feier des Wortes Gottes so zentral für jede kirchliche Festgemeinschaft (vgl. S. 4 – 5). 

Ich wünsche Ihnen solche festliche Momente in den Karwochen- und Ostertagen sowie eine lebensfrohe Frühlingszeit.  

 

Kuno Schmid