Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

«Nähe und Distanz»

Mit einem obligatorischen Präventionskurs für alle Seelsorgenden will das Bistum Basel sexuellen Übergriffen vorbeugen. «Für kirchliche Mitarbeitende gelten gleich strenge Massstäbe wie für Therapeuten oder Ärzte», sagt Rita Wismann-Baratto, die seit drei Jahren Mitglied im «Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe im Bistum Basel» ist. Die Theologin baute vorher die Opferhilfestelle Aargau-Solothurn auf und war Dozentin an der Fachhochschule für Soziale Arbeit in Brugg.

Es sind nicht die eindeutigen Situationen, die im Kurs zu reden geben, sondern der «Graubereich». Entsprechend gross ist auch die Verunsicherung bei verschiedenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. «Was ist zu viel? Was darf ich noch tun? Hand auflegen oder nicht? Wie viel mags leiden bei den Leuten?» Genau solche «Grauzonen» sichtbar zu machen, ist für Rita Wismann-Baratto sehr wichtig. «Sexuelle Übergriffe sind Gott sei Dank Ausnahmen. Umso wichtiger ist es, sich mit dem Thema Nähe und Distanz zu befassen, um sich bewusst zu machen, wo Grenzverletzungen entstehen können. 

Für alle Formen sexueller Übergriffe gilt im Bistum die Nulltoleranz-Politik». Die Teilnehmenden an den bisher durchgeführten Kursen schätzen diese Weiterbildung sehr und ebenso, dass sie die Ansprechpersonen aus dem Bistum zu diesem Thema kennenlernen konnten, damit man weiss, wo man sich melden kann».

Aus dem Aargauer Pfarrblatt, Andreas C. Müller.