Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Jugend

«So entsteht ein offener Dialog»

Carole Imboden-Derragisch kommt aus der Nähe von Baden und wohnt jetzt in Riedholz. Sie ist verheiratet, hat drei Kinder. In der Freizeit geht sie gerne ins Kino und bastelt. Nach einem neunmonatigen Praktikum auf den Philippinen, wo sie in der Friedensarbeit engagiert war, reiste sie von 2012 bis 2015 mit ihrer Familie zwei Jahre lang mit dem Zirkus Monti. Zurzeit ist sie in der Pfarrei St. Ursen, Solothurn, tätig und für den Bereich Ehe- und Familienpastoral zuständig.

Carole, wie kamst du zum Zirkus?
Ich erfüllte mir einen Jugendtraum! Ich war vom Zirkus Monti schon von Kind an fasziniert, und so schrieben ich und mein Mann Philipp eine Bewerbung. Ich arbeitete an der Kasse und er war beim Auf- und Abbau tätig.

Welche ist die schönste Erinnerung an diese Zeit? 
Das Zusammenleben mit allen Artisten, es war wie eine grosse Familie. Und auch wir als Kleinfamilie – wir hatten schon unseren ersten Sohn – waren uns immer sehr nah.

Und was war das Schwierigste am Zirkusleben?
Wir wohnten in einem 25 m2 grossen Wohnwagen, da muss man extrem organisiert sein, damit das Chaos nicht Überhand nimmt! Schwierig war zum Teil auch die mangelnde Freizeit, denn man ist mehr oder weniger rund um die Uhr für den reibungslosen Ablauf zuständig. Da kommt das Schlafen manchmal zu kurz und die Nerven liegen etwas blank.

Du bist Religionslehrerin. Wie bist du zu diesem Berufswunsch gekommen?
Ich war lange in der JuBla und ich ministrierte sehr gerne. Ich fühlte mich im kirchlichen Umfeld wohl. Nur den Religionsunterricht erlebte ich als verstaubt, und die Lehrpersonen, vor allem in der Oberstufe, nicht so dynamisch. Ich wollte meine Begeisterung weitergeben: Das war die Motivation für die Ausbildung am Religions­pädagosichen Institut in Luzern.

Was gefällt dir am meisten am Unterrichten?
Die Begegnung mit den Jugendlichen. Ich unterrichtete bisher auf der Oberstufe und da kommen die Fragen ziemlich direkt: Wenn ein Terroranschlag verübt wird oder wenn ein Flüchtlingskind nicht mehr in der Schule erscheint, fragen sie mich nach meiner Meinung. Und ich frage nach ihrer Meinung. So entsteht ein offener Dialog, und wir können etwas besprechen, das sie gerade beschäftigt. Und das ohne Notendruck!

Sind die heutigen Kinder für das Religiöse noch zu begeistern?
Sicher! Bei den Kindern sowieso und auch die Jugendlichen sind dafür zu haben. Es ist für sie manchmal schwierig, dass es nicht auf alles eine schnelle Antwort gibt. Dazu kommt, dass es andere Sachen gibt, die auch interessant werden … 

Was hast du für Zukunftspläne?
Ich habe keine konkreten Pläne, aber ich bin ein offener Typ, ein «Wandervogel», offen für neue Erfahrungen!