Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Jugend

Lanz von Flurin Jecker

von Kimberly Grigo

Lanz (eigentlich Lancelot) ist ein unzufriedener Jugendlicher, der seinen Platz im Leben erst finden muss. Seine Eltern sind geschieden und haben selten Zeit, sein Lehrer macht es ihm schwer. Selbstverständlich kommt hier auch die Liebe nicht zu kurz. 

Im Grunde kommt die Geschichte nur durch das Interesse an einem Mädchen ins Rollen. Denn als Lanz erfährt, dass Lynn in der Projektwoche beim Projekt «Ich schreibe einen Blog» mitmacht, entscheidet er sich, da mitzumachen. Dieser Blog ist es, den wir als Leserinnen und Leser in Form des Buches zu lesen bekommen. Ein Blog, in dem er Tagebuch über die fünf Tage der Projektwoche und darüber führt, wie er versucht, Lynn dazu zu bringen, mit ihm auf eine Party zu gehen. Als er sich endlich überwindet und sie fragt, erfährt er jedoch, dass diese an dem Tag in den Ferien ist. Da er nur wegen ihr den Kurs mit seinem verhassten Lehrer gewählt hat, ist er vollkommen enttäuscht. Er entscheidet sich dafür, die anschliessenden Ferien nicht weiter in Langeweile zu verbringen, sondern etwas zu erleben. Es ist eigentlich eher eine Kurzschlussentscheidung, doch er bereut es bis zuletzt nicht. Er fährt bereits Mittwochnachmittag, mitten in der Projektwoche, nach Graubünden zu seiner Familie auf dem Land. Diese eigene Entscheidung macht ihn glücklich. Er verbringt eine gute Zeit mit seinem Cousin und seiner Cousine und merkt, dass auch die kleineren Dinge im Leben glücklich machen können. 

Man kann sich als Jugendliche/r recht gut in Lanz hineinversetzen, denn ihn scheinen im Grunde dieselben Gedanken zu beschäftigen wie viele andere auch. Ab und an jedoch stösst man auf typische Klischees gegenüber Jugendlichen, die ich persönlich mit mir und meinem Freundeskreis nicht vereinen kann. So scheint jeder der Jugendlichen in diesem Roman zu rauchen, und auch zu einem Joint sagt keiner der Charaktere nein. Dies und die Benutzung der Jugendsprache mit Worten wie «Mongo» oder «behindert», die er regelmässig auf andere und sich selber anwendet, aber auch die Distanz zu seinen Eltern scheint, gerade da er erst 14 ist, schon etwas übertrieben. Ich finde jedoch die Art seiner Gedanken und die Probleme, mit denen er zu kämpfen hat, sehr authentisch. Solche Gedanken gehen wohl jedem Mal durch den Kopf und auch die Gefühls- ausbrüche, die er manchmal hat, passen zu einem pubertierenden Jugendlichen. Ein gutes Buch, das schön zeigt, wie kleine Dinge die Stimmung und das Leben verändern können. Einfach empfehlenswert.

 

Flurin Jecker | Lanz  
Nagel & Kimche 2017, 128 Seiten, CHF 24.90, ISBN 978-3-312-01022-6