Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Editorial

Den Glauben ins Spiel bringen

«Wir leben in einer Zeit grosser gesellschaftlicher Veränderungen. Man spricht von epochalen Umbrüchen …» So beginnen die Leitsätze des pastoralen Entwicklungsplanes des Bistums Basel. In diesem Wandel sorgen sich manche um die Kirche. Die einen fordern den Rückzug hinter die sogenannte wahre Lehre, wie sie als Reaktion auf frühere Herausforderungen formuliert wurde. Andere fordern ein Hineingehen und sich Bewegenlassen von der modernen Gesellschaft mit dem Risiko, das christliche Profil zu verlieren. In diesem Spannungsfeld sucht der Entwicklungsplan nach Wegen, wie sich die Kirche als Teil der Gesellschaft diesen Veränderungen stellen kann. Die Bildung von Pastoralräumen ist nur ein Beispiel dafür. Es gilt, Chancen zu entdecken, wie der Glaube neu ins Spiel gebracht werden kann.  

Doch das ist gar nicht so einfach, denn gespielt wird nicht mehr nach den Spielregeln der Kirche. Ob in den Medien, in den Spitälern, in den Schulen oder in anderen Lebensbereichen – überall gelten andere Spielregeln. Wer mitspielen will, muss diese kennen und respektieren. Mitspielende müssen die Sprache sprechen, die dort verwendet wird. Es braucht Christinnen und Christen, die sich in diesen unterschiedlichen Sprachspielen auskennen und Wege aufzeigen können, wie der Glaube ins Spiel gebracht werden kann. 

Ob das Spiel gelingt, bleibt offen. Der Spielverlauf ist unberechenbar. Ein Spielzug, der jetzt sinnvoll und angemessen erscheint, kann sich später als ungünstig erweisen. Ein nicht gewagter Spieleinsatz wird vielleicht später bereut. Das Spiel verlangt Risikobereitschaft, und Fehler gehören im positiven Sinn dazu. So macht es Spass. «Den Glauben ins Spiel bringen» ist kein leichtes Spiel. Aber mit spielerischer Freude, einer versöhnlichen Fehlerfreundlichkeit und Offenheit gegenüber dem Unverfügbaren ergeben sich neue Chancen. 

Ich wünsche Ihnen einen gelassenen, spielerischen Umgang auch mit Glaubensfragen.

 

Kuno Schmid