Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Jugend

«Fremde Welten gleich um die Ecke!»

So heissen die Treffen des Internationalen Bildungszentrums (IBZ) Scalabrini in Solothurn. Das Ziel: Den interkulturellen Austausch als Chance der Gegenwart zu sehen, um fremde Kulturen besser kennenzulernen und das Fundament zu legen für eine Zukunft mit mehr Verständnis, Toleranz und Menschlichkeit. Auch die Eritreerin Rodas aus Balsthal nimmt jeweils an den Veranstaltungen des IBZ Scalabrini teil. 

Rodas, du lebst nun seit sechs Jahren hier in der Schweiz. Was machst du gerade? 
Ich besuche zurzeit die achte Klasse und in meiner Freizeit tanze ich sehr gerne Hip-Hop.

Wie kamst du damals in die Schweiz?
Meine Eltern flohen bereits vor mir in die Schweiz. Es war damals noch nicht möglich, dass wir Kinder gleich mitgehen konnten, weil es zu gefährlich war. Also blieb ich vorerst bei meiner Tante und meiner Grossmutter in Eritrea. Die Flucht meiner Eltern war sehr belastend für uns. Meine Mutter und mein Vater flohen zunächst nach Libyen, von dort aus mit dem Boot nach Italien und dann später weiter in die Schweiz. Nach einiger Zeit konnten auch meine Geschwister und ich nachreisen. Wir mussten zuerst acht Monate im Sudan bleiben und flogen dann von dort aus direkt in die Schweiz zu meinen Eltern. Meine Grossmutter und meine Tante leben immer noch in Eritrea. Es war für mich schwer, mein Heimatland zurückzulassen. Aber die Tatsache, dass es mir hier so gut gefällt, hat alles ein wenig einfacher gemacht. 

Was gefällt dir hier in der Schweiz besonders?
Vor allem die Leute. Die Leute hier sind immer ehrlich. Und auch, dass es keinen Krieg gibt und man hier in Frieden leben kann. Ich finde es auch positiv, dass man hier so offen aufgenommen wird und so viele Kulturen zusammenleben. Dies zeigt, dass es möglich ist, in Frieden zusammenzuleben und dies als Chance zu sehen. Natürlich habe ich mir aber auch vieles zuerst anders vorgestellt, weil ich nicht viel über die Schweiz wusste. Ich habe zum Beispiel gedacht, dass es hier keine Schulen gibt.

Warum kommst du an die IBZ Treffen?
Ich besuche jeweils den eritreischen Gottesdienst und lernte dort die Treffen kennen. Mir gefällt der internationale Austausch und ich lerne gerne Menschen kennen. Manchmal ist es zwar schwierig mit den vielen Sprachen. Schon allein in Eritrea gibt es viele verschiedene Sprachen und Dialekte, und in der Schweiz habe ich natürlich auch Deutsch gelernt. Manchmal lese ich auch noch Bücher auf Tigrinya, einer der Landessprachen von Eritrea, nur gibt es leider nicht sehr viele. Später möchte ich Krankenschwester werden und dann vielleicht noch Hebamme. 

Wir danken Rodas für das Interview und wünschen ihr weiterhin alles Gute!