Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Editorial

Mutig durch Veränderungen rudern

In einer Welt, die sich rasant verändert, verändert sich so oder so auch die Kirche. Auf seiner Kolumbienreise ermutigt Papst Franziskus die Gläubigen, keine Angst vor kirchlichen Veränderungen zu haben. Eine «Ecclesia semper reformanda», eine Kirche, die sich immer neu reformiert, sei unverzichtbar. Was für das christliche Leben jedoch elementar bleibt, sind diese zwei Dimensionen: einerseits die Besinnung auf Jesus Christus und seine Botschaft, andererseits das Engagement für die unterschiedlich Bedürftigen, für Gerechtigkeit und Versöhnung unter den Menschen.

Veränderungen prägen das kirchliche Leben auch bei uns. Erfahrbar ist das beispielsweise an der Umgestaltung der kirchlichen Landschaft zu regionalen Pastoralräumen, die sich an den veränderten Bedürfnissen der Menschen orientieren; oder daran, dass mancherorts am Sonntag keine Gottesdienste mehr in der örtlichen Kirche stattfinden. Die Veränderungen werden ebenfalls sichtbar bei den Solothurner Ordensgemeinschaften. Das Kapuzinerinnenkloster Name Jesu ist in diesem Jahr schon das zweite, das sich auf eine neue Zukunft ausrichtet. Manche fragen sorgenvoll, ob und wie in der säkularen Gesellschaft Spiritualität und geistliches Leben noch Platz haben werden. Orden und christliche Gemeinschaften haben seit Anbeginn die elementaren Dimensionen des christlichen Lebens für jede Epoche neu interpretiert. Diese Dimensionen sind mir in der Geschichte eines Fischers besonders anschaulich geworden. Auf einem Ruder seines Bootes steht «ora» (beten), auf dem anderen Ruder «labora» (arbeiten). Der Fischer erklärt, dass nur diejenigen wirklich vorwärtskommen, die mit beiden Rudern umzugehen verstehen. Ansonsten dreht sich das Boot im Kreis. Besinnung und Engagement nennt Papst Franziskus diese zwei «Ruder». Ähnliches formulieren auch Fachleute der Gesundheitsprävention auf ihre Weise. «Ora et labora» wird in immer neuen Formen für jede Generation existenziell bleiben, selbst wenn es keine klassischen Klöster mehr geben würde. 

Ich wünsche Ihnen ein gutes Vorankommen durch alle Veränderungen mit eigenen Variationen zu «ora et labora».

 

Kuno Schmid