Aktuelle Nummer 24 | 2017
12. November 2017 bis 25. November 2017

Focus

KARDINAL KOCH

Am 31. Oktober 2017 hat in Wittenberg der offizielle Festakt zum Abschluss des Reformationsgedenkjahres stattgefunden. Der «Ökumeneminister» des Vatikans, Kardinal Kurt Koch, fasst zusammen, dass dieses Jahr für die Ökumene viel Positives gebracht habe. Er hofft, «dass der 31. Oktober kein Punkt, sondern ein Doppelpunkt sein wird». Er blickt bereits voraus auf das nächste Jubiläum in Deutschland. Im Jahr 2030 steht der 500. Jahrestag der Verkündigung des Augsburger Bekenntnisses an. Dieses ist für Koch «nicht ein Dokument der Spaltung, sondern der Einheit». Der Reformator Philipp Melanchthon hat 1530 in diesem Schreiben die verbindenden Glaubensinhalte festgehalten, um die Kirchenspaltung zu vermeiden. Die Trennung hat sich trotzdem nicht mehr aufhalten lassen. 

Koch erklärt, dass die Exkommunikation mit dem Tod endet und deshalb auch für Luther nicht mehr gilt. Die Päpste, insbesondere Benedikt XVI., hätten sich positiv zu Luther geäussert. Auch die Lehrverurteilungen der Reformationszeit betreffen die heutigen ökumenischen Partner nicht mehr. «Diese Ergebnisse müssten freilich auf beiden Seiten noch mehr rezipiert werden, um daraus verbindliche Konsequenzen zu ziehen», fügte Koch hinzu. Differenzen bestehen noch im Themenkomplex «Kirche, Eucharistie und Amt». Aus katholischer Sicht sei «die Feier der Eucharistie konsequent an das Amt gebunden», so Koch. Es gelte auf Luther zu hören, der sagt, «dass wir alle durch die Taufe zu Priestern, aber nicht zu Pfarrern werden».