Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Schwerpunkt

EUROPÄISCHES TAIZE-TREFFEN IN BASEL

von Kuno Schmid

15 000 bis 20 000 Jugendliche aus ganz Europa werden zum Jahreswechsel in Basel erwartet. Sie kommen zum Europäischen Taizé-Jugendtreffen. Kirchgemeinden und Gastfamilien aus der Nordwestschweiz und dem angrenzenden Elsass und Südbaden werden sie beherbergen. Das Basler Taizé-Jugendtreffen ist damit das erste, das über drei Länder gemeinsam veranstaltet wird. Für das international zusammengesetzte Vorbereitungsteam ist dies allerdings eine logistische Herausforderung. Noch werden Gastfamilien gesucht, welche die jungen Menschen bei sich aufnehmen.  

Seit Jahrzehnten mit Jugendlichen unterwegs
Die ökumenische Communauté von Taizé hat jedoch Erfahrung mit dem Organisieren der Grossevents. Jahr für Jahr findet in einer europäischen Grossstadt ein Taizé-Jugendtreffen statt. 1978 führte die Taizé-Gemeinschaft erstmals Jugendliche aus ganz Europa in Paris zusammen. Seither werden die jungen Menschen unter dem Motto «Pilgerweg des Vertrauens» jährlich in eine andere europäische Stadt eingeladen. Über Barcelona, Rom und Brüssel führte der Weg nach Warschau, Berlin und im letzten Jahr nach Riga (Lettland). Die Europäischen Jugendtreffen bieten Möglichkeiten, Verständnis untereinander zu fördern, Vorurteile zu überwinden und neue Wege gegenseitigen Vertrauens in unserer heutigen Welt zu suchen. Neben den geistlichen Impulsen und den internationalen Begegnungen sind auch das Kennenlernen der kirchlichen Situation des Gastlandes und der Gastfamilien ein Ziel der Treffen. Der Prior der Communauté von Taizé verfasst jeweils einen Brief an die Jugendlichen. Der Brief dient am Treffen und während des folgenden Jahrs als Grundlage für Gespräche und zum Nachdenken. 

Die ökumenische Communauté von Taizé 
1949 gründete der reformierte Schweizer Pfarrer Roger Schutz die ökumenische Brüdergemeinschaft in der kleinen Ortschaft Taizé im französischen Burgund. Mit der klösterlichen Gemeinschaft haben die Brüder von Taizé die monastische Tradition für die Kirchen der Reformation neu erschlossen und gleichzeitig Brücken zu anderen Kirchen gebaut. Die Communauté zählt heute rund hundert Brüder aus über 25 Ländern und aus verschiedenen Konfessionen. Über die Jahre wurde die Gemeinschaft zu einem Zeichen der Versöhnung zwischen den gespaltenen Christen und zerstrittenen Nationen. 2005 wurde Roger Schutz im Alter von 90 Jahren während des Abendgebetes getötet. Seither ist Frère Alois sein Nachfolger als Prior der Gemeinschaft. 

Jugendliche in Taizé
In den bewegten Sechziger- und Siebzigerjahren lud Frère Roger Jugendliche zum Austausch über ihr politisches und soziales Engagement, zum Nachdenken und zum gemeinsamen Beten nach Taizé ein. Daraus entstanden die europäischen Jugendtreffen, die seither jede Woche auf dem zum Campus gewachsenen Taizé-Hügel stattfinden. Die neu gebaute Versöhnungskirche musste mehrmals vergrössert werden. Nicht nur Jugendliche, sondern auch Papst Johannes Paul  II., Politiker aus verschiedenen Ländern, zahlreiche katholische, orthodoxe,anglikanische und lutherische Bischöfe und Menschen aus allen Konfessionen besuchten seither Taizé. Doch die Brüder wollten die Jugendlichen nicht nur nach Taizé einladen, sondern selbst hinausgehen, um die jungen Leute in ihrer Lebenswelt zu besuchen. Dafür reisen sie nach Afrika, Amerika und Asien. Mittlerweile finden nicht nur europäische Treffen statt, sondern auch Jugendtreffen auf allen Kontinenten. 

Das Treffen in Basel
Die reformierte und die katholische Kirche, die serbisch-orthodoxe Gemeinde und die Evangelische Allianz haben gemeinsam die Communauté von Taizé und das Europäische Jugendtreffen nach Basel eingeladen. Basel war im Mittelalter Konzilstadt und hier fand 1989 die erste Ökumenische Versammlung der europäischen Kirchen zu «Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung» statt. Basel war sowohl ein Zentrum der Reformation als auch eine Stadt des Humanismus, der Weltoffenheit und der philosophischen Reflexion. All diese Gründe führten dazu, dass Basel für das Treffen ausgewählt wurde. Am 28. Dezember erwarten die Veranstalter nebst den Anreisenden mit dem Zug rund 280 Reisebusse. Nach ihrer Ankunft fahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Tram und Zug in die 120 beteiligten Kirchgemeinden in den beiden Basel, im Aargau, im Solothurner Schwarzbubenland, im Badischen und im Elsass, wo sie ihre Gastfamilien kennenlernen. Am Abend treffen sich alle zum Nachtessen und Abendgebet in den Basler St. Jakobshallen. Zusammen mit der Polizei und dem öffentlichen Verkehr wurde ein sicherer und geordneter Ablauf des Grossanlasses organisiert. 1200 Freiwillige werden im Einsatz stehen. Auf die Teilnehmenden warten 50 000 warme Mahlzeiten, 55 000 Wasserflaschen, 52 500 Äpfel und 75 000 Mandarinen.

Gemeinsame Gebete 
Die Gebete und Veranstaltungen stehen der ganzen Bevölkerung offen. Die Abendgebete finden jeweils um 19 Uhr gleichzeitig in der St. Jakobshalle und in der St. Jakobsarena statt. Am 29. und 30. Dezember lädt das Treffen um 13 Uhr zu gleichzeitigen Mittagsgebeten in die sieben Basler Stadtkirchen ein: Münster, Martinskirche, Peterskirche, Kirche St. Anton, St. Marien, St. Clara und Predigerkirche. Am 31. Dezember findet das Mittagsgebet um 13 Uhr im Basler Münster statt. Es wird vom Schweizer Fernsehen SRF und vom deutschen Sender ARD übertragen. Anschliessend an die Gebete gibt es Zeiten der Stille. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer treffen sich aber auch zu Gruppengesprächen und Workshops über Glaube, Gesellschaft, Kunst und Kultur. Mit den Jugendlichen sind alle eingeladen, «ihren Sinn für Solidarität zu vertiefen und ein Stück Weg zu den Quellen des Vertrauens zu gehen, zu Erfahrungen von Freundschaft, Versöhnung und Frieden».  

Informationen zum Taizé-Jugendtreffen in Basel: www.taizebasel.ch 

 

Ökumenisch unter einem Zelt

Der Prior von Taizé, Frère Alois, wendet sich anlässlich des Reformationsgedenkjahres 2017 in einem Aufruf an die Verantwortlichen der Kirchen. Darin formuliert er: «Müssten die Kirchen nicht den Mut haben, sich unter ein und dasselbe Dach zu begeben, auch wenn noch nicht in allen theologischen Fragen Einigkeit besteht? Oder könnte man zumindest von einem gemeinsamen Zelt sprechen, mit dem wir zusammen unterwegs bleiben…»

Er beschreibt diese Zeltgemeinschaft auch konkret, beispielsweise 
• indem sich Nachbarn und Familien über konfessionelle Grenzen hinweg treffen, 
• indem christliche Gemeinden ihre Einrichtungen zusammenführen und sich für Menschen in Not engagieren, 
• indem eine Hauptkirche zu einem gemeinsamen Haus des Gebets für alle Christen eingerichtet wird, 
• indem auf allen Ebenen ausprobiert wird, wie ein Dienstamt der Einheit ausgestaltet werden kann und wie sich die Konfessionen unterschiedlich auf das Dienstamt des Bischofs von Rom beziehen können, 
• indem eucharistische Gastfreundschaft ermöglicht wird. 

Viele sind schon ökumenisch unterwegs, für andere können diese Vorschläge eine Ermutigung sein. 

www.taize.fr