Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Jugend

Verständnis statt Vorurteile

von Sophie Deck

Nathalie Jäggi ist 15 Jahre alt, besucht zurzeit die Kantonsschule Solothurn und ist seit einiger Zeit im Modelbusiness tätig; sie steht unter Vertrag bei der Option Model Agency Zurich.

Wann und wie hast du mit dem Modeln angefangen?
Es fing alles damit an, dass mich meine Tante überredet hat, am EML (EliteModelLook) Schweiz teilzunehmen. Dieser ging von Mitte bis Ende 2017, und ich kam schliesslich bis ins Finale, was ich niemals gedacht hätte. Seitdem hatte ich ein paar Shooting Jobs und durfte auch am Weltfinale des EML in Milano dabei sein. Ausserdem gehe ich in einer Woche an die Zermatt Fashionshow, worauf ich mich vor allem deshalb freue, weil ich dort die anderen Teilnehmerinnen des EML Schweiz wiedersehen werde.

Was denkst du sind die häufigsten Vorurteile gegenüber Models und woher kommen sie?
Ich würde sagen, die bekanntesten Vorurteile sind, dass Models arrogant und dumm sind. Ich glaube, das kommt daher, dass das Modelbusiness sich schon hauptsächlich um Aussehen dreht; manche Leute nehmen dann automatisch an, dass, wer in diesem Business arbeitet, oberflächlich ist und nichts zu bieten hat ausser gutem Aussehen.

Würdest du aus deiner Erfahrung heraus sagen, dass diese Vorurteile zutreffen? 
Absolut nicht. Ich habe am EML so viele tolle Menschen kennengelernt, auf die diese Vorurteile nicht im Geringsten zutreffen. Wir diskutieren über die Zukunft, den Sinn und das Leben und sind einander alle sehr ans Herz gewachsen, sodass bei der Verabschiedung fast schon Tränen flossen. Man muss noch sagen, dass es schon auch arrogante und dumme Menschen im Modelbusiness gibt, aber das gibt es ja überall und hat nichts mit dem Business an sich zu tun.

Wurdest du persönlich schon einmal mit solchen Vorurteilen konfrontiert?
Mir wurde bis jetzt noch nie gesagt, dass eines dieser Vorurteile auf mich zutreffe. Es ist natürlich immer schwer, sich selbst einzuschätzen, aber ich würde sagen, dass ich auch einfach nicht so bin; ich versuche immer respektvoll mit meinen Mitmenschen umzugehen und gebe in allem mein Bestes.

 

Nathalie erinnert uns in diesem Interview an etwas, was wir oft vergessen: Wir sind alle nur Menschen; wir alle sind unterschiedlich und tiefgründig und man sollte niemanden in eine Schublade stecken – ob nun aufgrund des Jobs oder anderer Umstände. Wenn man jemanden nur oberflächlich betrachtet, wird er oder sie einem meistens auch oberflächlich erscheinen. Geht man aber etwas tiefer, dann entdeckt man, dass wir alle nur versuchen, gute Menschen zu sein und uns nichts mehr wünschen als uns akzeptiert und geborgen zu fühlen. Und genau das ist es, was man, vor allem jetzt in der Weihnachtszeit, nie vergessen sollte: Verständnis füreinander zu haben ist der Schlüssel dazu, eine schöne und besinnliche Zeit zusammen zu verbringen.