Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Schwerpunkt

OEKMODULA

von Birgitta Aicher 

Religionsunterricht und pfarreiliche Katechese sind die Tätigkeitsfelder der Katechetinnen und Katecheten. Sie begleiten Kinder und Jugendliche, stärken ihr Vertrauen, damit sie das Wichtigste im Leben erfahren: Glaube, Hoffnung und Liebe. Die Katechetinnen und Katecheten haben eine sehr wertvolle und schöne berufliche Aufgabe. Immer wieder begegnen wir auf den Fachstellen Religionspädagogik Frauen und Männern, die sich für die Ausbildung zur Katechetin und zum Katechet interessieren. Am 17. November 2017 haben sieben Frauen im Kanton Solothurn die Ausbildung mit dem Fachausweis OekModula abgeschlossen. Wir haben nach der Diplomfeier mit ihnen gesprochen und drei Fragen gestellt.  

Wie kommen Frauen und Männer dazu, sich zu Katecheten und Katechetinnen auszubilden?
Nachvollziehbar ist zunächst, dass bei Erwachsenen in der Familienphase religiöse Fragen auftauchen. Bei der Geburt eines Kindes erfahren Mütter und Väter eine grosse Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens. Mit Kindern liegt auch später Religion quasi in der Luft. So sind es oft Kinder, die Fragen nach dem Warum und Wohin im Leben und nach Gott stellen. Sie veranlassen ihre Mütter und Väter, sich selbst der Gottesfrage zu stellen. Das war auch bei Dagmar Portmann aus Luterbach so: «Nach der Taufe meiner Kinder verspürte ich das Bedürfnis, in der Kirche tätig zu sein. Ich begann damals als Lektorin im Gottesdienst mitzuwirken. Später wurde ich angefragt, ob ich in der Chindergruppe oder beim Osterspiel mitmachen will. So begann ich mit der Katechetin zusammenzuarbeiten. Der erste Schritt war getan.» Ähnlich erging es auch Evelyne Staufer aus Selzach: «Ich unterrichte sehr gerne. Die Möglichkeit, meine Herzensthemen Religion, Glaube und Ethik unterrichten zu können, hat mich dazu bewogen, mich bei OekModula einzuschreiben.» Nach Manuela Wohlfahrth aus Wangen bei Olten fällt die Entscheidung schlussendlich nicht einfach vom Himmel, sondern erfolgt nach einem längeren Findungsprozess. «Ich dachte schon lange über eine Veränderung im Beruf nach. Durch eine Anzeige im Weiterbildungsheftchen bin ich auf die Ausschreibung gestossen und nach reiflicher Überlegung habe ich mich angemeldet.»

Wie erleben die Katechetinnen die ökumenische Ausbildung nach OekModula? 
Jela Maric aus Subingen erlebt sowohl während der Ausbildung als auch in ihrer Tätigkeit als Katechetin die Ökumene «als bereichernd und positiv, Ökumene wird gelebt und gepflegt». In der Ausbildung hat sie gemerkt, «dass uns mehr verbindet als trennt». Dass die Ausbildung im Kanton Solothurn in Kooperation mit Baselland weitestgehend ökumenisch erfolgt, ist dennoch einzigartig in der Schweiz. Dabei macht es Sinn, denn der Religionsunterricht an den Schulen findet ebenso ökumenisch statt. Nach Evelyne Staufer haben alle Ausbildungsteilnehmenden «immer wieder versucht, konfessionelle Unterschiede im Verständnis oder in der Auslegung einer Sache oder Handhabung zu verstehen und zu akzeptieren». Sie sieht Ökumene als Gewinn, denn «wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen  über alle Grenzen und Konfessionen hinweg». 

Ähnlich sieht es Manuela Wohlfahrth: «In der Ausbildung war die Ökumene selbstverständlich, es war ein Miteinander. Wir haben viel voneinander profitiert und sind durch den gemeinsamen Weg automatisch mit der jeweils anderen Konfession vertrauter geworden. Für mich als Katechetin ist die Ökumene etwas Selbstverständliches. Wir ergänzen uns im Team, planen gemeinsam und helfen uns gegenseitig aus.» Dagmar Portmann: «Ich empfand es sehr ergänzend, dass in den Modulen Dozierende aus beiden Konfessionen tätig waren.»

Welche Voraussetzungen müssen für die Ausbildung mitgebracht werden?Die Ausbildung ist neben Familie und Beruf sehr anspruchsvoll. Als Grundvoraussetzung für einen guten Start in die Ausbildung nennt Jela Maric: «Freude mit den Kindern zu arbeiten, Bereitschaft, sich ihrer Welt und ihren Interessen zu widmen, Bereitschaft, sich mit dem eigenen Glauben aber auch dem Glauben der Mitmenschen auseinanderzusetzen. Als Katechetinnen begegnen wir verschiedenen Menschen und verschiedenen Kulturen, deshalb ist für mich Kontaktfreudigkeit gegenüber Fremden und Offenheit gegenüber Neuem eine wichtige Voraussetzung. Die Ausbildung ist sehr lehrreich aber auch intensiv, deshalb ist eine gute Zeiteinteilung und Planung notwendig.» Manuela Wohlfahrth empfiehlt dabei auch: «Viel Durchhaltewillen, gute Computerkenntnisse, viel Freude am Umgang mit Menschen, speziell mit Kindern, gute Nerven und viel Geduld, Spontanität, Teamfähigkeit und die Bereitschaft, sich in ein Lehrerkollegium einzubringen.» Hinzukommt nach Evelyne Staufer die Bereitschaft «eigene, eventuell veraltete Ansichten über Bord zu werfen und sich auf Neues einzulassen». Schliesslich ist es nach Dagmar Portmann auch sehr wichtig, dass die Familie und die Angehörigen sie wohlwollend und mit «viel Verständnis» unterstützen.

Die weihnächtlichen Sterndeuter als spirituelle Vorbilder 
Die Sterndeuter im Matthäusevangelium können Vorbilder für katechetisch Tätige oder für Interessierte sein. Sie nehmen die Geburt des Kindes als Zeichen des Himmels wahr. Sie sind bereit, sich auf die Gottsuche einzulassen, Neuland zu betreten und neue Horizonte zu entdecken. Sie suchen dabei immer wieder den Kontakt – auch zu ihnen fremden Menschen vor Ort. Ganz wichtig erscheint dem Evangelisten dabei, dass diese Menschen Fragen stellen. Warum sonst ist der einzige, direkte Satz in die Frage formuliert: «Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.» (Mt 2,1) Auch auf Überraschendes lassen sie sich ein: Auf den Ort im Stall von Bethlehem, auf den neuen König in der Futterkrippe. Darin erkennen sie gar das göttliche Geheimnis und beugen die Knie. Vor dem Kind in der Krippe breiten sie schliesslich alles aus, was ihr Leben ausmacht. «Gold der Liebe, den Weihrauch der Sehnsucht und die Myrrhe der Schmerzen» (nach Karl Rahner). Vielleicht wecken die Sterndeuter bei vielen Leserinnen und Lesern Interesse oder zumindest Fragen für OekModula.  

Die Theologin Birgitta Aicher ist Leiterin der röm.-kath. Fachstelle Religionspädagogik des Kantons Solothurn.

Ausbildung OekModula 

OekModula ist eine Berufsausbildung gemäss den Richtlinien des Vereins für ein modulares Bildungssystem Schweiz und schliesst mit einem Fachausweis ab. Sie ist modular aufgebaut und gibt den Teilnehmenden Spielräume in der Gestaltung der Ausbildung. Die zehn theologischen und pädagogischen Module verteilen sich auf drei oder mehr Jahre. Wenn Sie gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, etwas Neues praxisnah lernen möchten und offen sind für Glaubensfrage und Ökumene, dann ist die Ausbildung zur Katechetin, zum Katecheten eine interessante Möglichkeit. Der Einstieg in die Ausbildung ist flexibel möglich. Der Bedarf an Katechetinnen und Katechten ist gross, deshalb hoffen die Fachstellen auf viele Interessentinnen und Interessenten.

www.oekmodula.ch
www.sofareli.ch