Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Schwerpunkt

WERDE TEIL DES WANDELS

Aus den Fastenopfer-Unterlagen 2018, bearbeitet von Kuno Schmid

Die weltweite Entwicklung stösst wirtschaftlich, ökologisch und sozial an Grenzen. Reformen sind dringend nötig, sie genügen jedoch nicht. Die Krise muss an ihren spirituellen und kulturellen Wurzeln angegangen werden. Der Wandel verlangt nach persönlicher und gemeinsamer «Umkehr». 

Unser weltweites Wirtschaften beruht auf einer intensiven Nutzung der ökologischen und sozialen Grundlagen. Diese Nutzung droht die Erde zu zerstören. Die Menschheit verbraucht heute die Ressourcen von 1,6 Planeten, um ihre materiellen Bedürfnisse zu stillen. Unter dieser Ausbeutung leiden vor allem die armen und verwundbaren Menschen. Sie haben nicht die Mittel, um sich gegen negative Folgen zu schützen. In seiner Enzyklika Laudato si’ schreibt Papst Franziskus: «Diese Situationen rufen das Stöhnen der Schwester Erde hervor, die sich dem Stöhnen der Verlassenen der Welt anschliesst, mit einer Klage, die von uns einen Kurswechsel verlangt.» 

Überall Fehlentwicklungen 
Erfolg wird allein am Wachstum des Bruttoinlandprodukts und an der Gewinnmaximierung der Betriebe gemessen. Internationale Menschenrechtsnormen, Umwelt- und Arbeitsrechte werden hingegen oft miss­achtet. Die grossen multinationalen Unternehmen haben an Einfluss gewonnen und darauf hingewirkt, dass staatliche Vorschriften im ökologischen und sozialen Bereich abgeschwächt wurden. Die Partnerorganisationen von Fastenopfer und Brot für alle aus allen Teilen der Welt sagen es deutlich: Die lokalen Gemeinschaften leiden regelmässig unter den zweifelhaften Wirtschafts­praktiken westlicher Unternehmen.

Aktuell besitzt das wohlhabendste Prozent der Bevölkerung mehr als die Hälfte des Weltreichtums. Auf die ärmsten drei Viertel entfallen hingegen keine drei Prozent der geldmässigen Vermögen der Welt. Solche Ungleichheiten zeigen sich nicht nur zwischen den Ländern, sondern auch innerhalb eines Landes. Dazu sagt der Ökumenische Rat der Kirchen: «Unsere Welt war nie wohlhabender und gleichzeitig ungerechter als heute.» Unsere Art der Entwicklung stösst an die Grenzen des Planeten und des Menschen. 

Erzählungen, die Hoffnung machen
Die dreifache Krise – wirtschaftlich, ökologisch und sozial –, in der die Menschheit steckt, verlangt nach einem grundlegenden Wandel. Reformen in der Gesetzgebung und technische Innovationen sind nötig, genügen jedoch nicht. Die Krise muss an ihren spirituellen und kulturellen Wurzeln gepackt werden. In der christlichen Tradition wird Wandel mit «Umkehr» beschrieben. Jesus hat diesen Wandel in vielen Erzählungen und Gleichnissen aus der damaligen Lebenspraxis illustriert. Er erzählt hoffnungsvolle Geschichten, die Werte des «Reiches Gottes» deutlich machen und zu einer neuen Lebenspraxis ermutigen. Solche hoffnungsvollen Geschichten können ebenso aus der Gegenwart erzählt werden. Auch heute lässt sich von vielen Initiativen erzählen, in denen Menschen sich für gerechtere und nachhaltige Projekte engagieren. Sie sind Teil des Wandels und geben ein Beispiel dafür, was Umkehr heute heissen kann.

Es braucht einen grundlegenden Wandel
Die Menschenrechte einhalten, die Natur achten und das Klima schützen, sich für die Verteidigung der sozialen Gerechtigkeit und die Bewahrung von gemeinsamen Ressourcen einsetzen, wirkungsvoll und nachhaltig – all das erfordert einen grundlegenden Wandel, einen Paradigmenwechsel. Dieser grundlegende Wandel wird auch Transition oder Transformation genannt. Er wird so tiefgreifend sein wie derjenige der Reformation oder der Aufklärung. Es geht darum, heute den Grundstein für ein gerechtes Wertesystem und eine nachhaltige Lebensweise zu legen. Das aktuelle Modell, das auf Konsum und Konkurrenz beruht, hat ausgedient. Wir stellen ihm ein anderes Modell entgegen, das auf dem Streben nach dem Gemeinwohl und der Kooperation der verschiedenen Gruppen beruht. Der Wandel wird in vielen innovativen Projekten überall in der Welt sichtbar. 

Für eine Welt, in der alle genug zum Leben haben
Fastenopfer und Brot für alle setzen sich deshalb für einen gesellschaftlichen Wandel ein, für eine Welt, in der alle genug zum Leben haben. Die Organisationen zeigen: Bereits heute gibt es viele lokale Initiativen, an denen jede und jeder teilnehmen und mitwirken kann. Diese Initiativen durchdringen alle Lebensbereiche: Solidarische Landwirtschaft etwa bringt Bäuerinnen und Bauern in der Region Planungssicherheit und den Konsumierenden saisonales Gemüse mit kurzen Transportstrecken auf den Teller. Lokale Tauschsysteme reduzieren Abfall, alternative Währungssysteme schliessen Aspekte der Geldwirtschaft – wie etwa Spekulationen – aus. «Zero Waste»-Initiativen zeigen zudem, wie man ressourcenschonender konsumieren und trotzdem lust- und genussvoll leben kann. Auch die Partnerorganisationen von Brot für alle und Fastenopfer setzen sich in ihrem Land für lokale und nachhaltige Formen der Wirtschaft und des Zusammenlebens ein. In diesem Prozess des gesellschaftlichen Wandels unterstützen und inspirieren sich die Partner im Norden und Süden gegenseitig. Denn dieser Prozess soll von allen mitgestaltet und unterstützt werden.

Impuls geben 
Wandel bedingt einen langfristigen Prozess – mit der Ökumenischen Kampagne 2018 geben Fastenopfer und Brot für alle wichtige Impulse und wirken als Katalysator. Es geht nicht darum. Patentrezepte anzubieten, sondern Teil dieses Prozesses zu sein. Fastenopfer und Brot für alle wollen mit der Ökumenischen Kampagne 2018 unter dem Motto «Werde Teil des Wandels: Für eine Welt, in der alle genug zum Leben haben» über Sinn und Notwendigkeit diskutieren, diesen Prozess mitgestalten und auf die notwendigen Inspirationsquellen für den Wandel hinweisen. Gestalten wir gemeinsam diese Veränderung.   

 

 

Fastenkalender 2018: Schwarzes Brett

In der diesjährigen Ökumenischen Kampagne machen sich Fastenopfer, Brot für alle und Partner sein auf die Suche nach Ideen und Erfolgsgeschichten, die uns helfen, den zahlreichen Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen. Einige Inspirationen, Geschichten von den Projektpartnern und Meditationen finden Sie im Fastenkalender, der 2018 in Form eines Schwarzen Bretts daherkommt. Lassen auch Sie sich überraschen, wie bunt ein Schwarzes Brett sein kann. Werden Sie fündig und lassen Sie sich inspirieren.

www.sehen-und-handeln.ch, www.fastenopfer.ch 

 

Die App «Give a Rose»  

Die Rosen-App ergänzt die Rosen-Verkaufsaktion auf den Strassen, die von manchen Pfarreien organisiert wird. Mit der «Give a Rose» lässt sich digital eine Rose oder ein ganzer Rosenstrauss erwerben, mit einer Widmung versehen, als Bild versenden und teilen. Eine schöne «Denk an dich»-Geste in der Fastenzeit, am Valentinstag 14. Februar – und sonst.