Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Jugend

Gott als Trinität verstehen

von Daniele Supino

Die 18-jährige Nina Graf aus Solothurn liest und joggt gerne. Sie besucht die Kantonsschule Solothurn und hat soeben ihre Maturarbeit zum Thema «Trinität» geschrieben. 

Nina, wie bist du zum Thema «Trinität» gekommen? 
Seit ich im Konfunterricht mit diesem Thema konfrontiert wurde, hat es mich nicht mehr losgelassen. Ich habe mich immer mit dem Gottesbild auseinandergesetzt. 

Man unterscheidet zwischen Trinität und Triade. Was ist der Unterschied?
Von Triade spricht man, wenn drei Götter die Macht untereinander aufteilen, wie z. B. in der antiken Mythologie Zeus (Erde), Poseidon (Meer) und Hades (Unterwelt). Bei der Trinität hingegen ist es derselbe Gott, der sich auf drei verschiedene Arten erkennen lässt. Der Vater wirkte in der Schöpfung, den Sohn konnte man zu seiner Lebenszeit in Israel wirken sehen, der Heilige Geist ist eine heute noch wirkende Kraft. 

Wo siehst du sein Wirken?
Überall im Alltag, wo kleine guten Taten geschehen.

Wie entstand das Trinitätsdogma?
Am Anfang hatte man eine Art Binität / Zweifaltigkeit mit dem Vater und dem wesensgleichen Sohn. Nach dem Konzil von Nicäa diskutierte man intensiv, was der Heilige Geist sei. Einige fanden, dass der Heilige Geist nur ein Mittler, ein Bote von Gott sei. Mit der Zeit setzte sich dann die Vorstellung durch, dass der Heilige Geist eine «Erscheinungsform» von Gott ist. Denn Gott hat keine Berührungsängste mit den Menschen und braucht keinen Boten!

Hat sich dein Gottesbild mit deiner Arbeit geändert?
Ja, jetzt sehe ich den Vater und den Heiligen Geist differenzierter, als zwei verschiedene «Erscheinungsformen» von Gott.

Welches Verhältnis hast du zu Religion?
Mit 14 Jahren hatte ich ein prägendes Erlebnis: Meine Urgrossmutter war am Sterben und die Ärzte gaben ihr nur noch wenig Zeit zum Leben. Tags darauf erzählte ich meinen Kummer dem Religionslehrer, der sich anerbot, für sie zu beten. Und es hat genützt! Meine Urgrossmutter lebt immer noch. Da habe ich die Kraft des Betens richtig begriffen. Ich bete oft und gehe ab und zu zur Kirche.

Was willst du nach der Matur studieren? Theologie?
Nein, ich werde mit dem Jus-Studium beginnen. Aber ich kann mir vorstellen, dass ich einmal die Ausbildung zur Katechetin mache.