Aktuelle Nummer 18 | 2018
19. August 2018 bis 01. September 2018

Schwerpunkt

FRAUEN IN DER KIRCHE

von Monika Poltera-von Arb

Pfarreileiterin, Pastoralassistentin, Katechetin, Organistin, Sekretärin, Sakristanin, Chorleiterin – die Liste kirchlicher Berufe für Frauen ist lang. Hauptamtlich, nebenamtlich und ehrenamtlich engagieren sich landauf, landab Frauen in der Kirche und für die Kirche. Sie verkünden und leben das Evangelium in der Welt. Ein Engagement mit vielen Möglichkeiten und auch Grenzen. 

Edith Rey Kühntopf, Bistumsregion St. Verena
«Frauen sind für die Kirche unverzichtbar», sagt Edith Rey Kühntopf, Regionalverantwortliche der Bistumsregion St. Verena. Die Theologin, verheiratet und Mutter einer Tochter, ist zusammen mit Bischofsvikar Arno Stadelmann verantwortlich für den deutschsprachigen Teil der Bistumskantone Solothurn und Bern. Ausser den Aufgaben, die an das Priesteramt gebunden sind, teilen sich Arno Stadelmann und Edith Rey die Arbeiten und die Verantwortung auf. «Wir arbeiten im Team, auf Augenhöhe. Natürlich sind uns Frauen von kirchenrechtlicher Seite her Grenzen gesetzt. Das zieht sich durch alle Ebenen hindurch, von der Pfarrei bis zur Bistumsleitung. Das kann ich nicht ändern. Doch es gibt viele Möglichkeiten. So ist beispielsweise in jeder Regionalleitung der Bistumsregionen eine Frau in Team.»

Am meisten spürbar und sichtbar sind die Grenzen und Unterschiede in der Liturgie. Doch gerade darin liegt auch eine Leidenschaft der Theologin: «Die katholische Kirche beinhaltet so viel Sinnliches, Rituale, Zeichen usw., die mir lieb sind, die ich geniesse und mit denen ich Feiern gestalten kann. Darauf möchte ich nicht verzichten, auch wenn es schmerzhaft ist, nicht allen Formen vorstehen zu können. Es ist eine Grundentscheidung: Ich reibe mich nicht die ganze Zeit an dem auf, was ich nicht machen darf, sondern nehme meinen Platz ein trotz der Grenzen, die gegeben sind.»

Ein Ziel ist es, in der jetzigen gegebenen Situation das Bestmögliche für alle Beteiligten herauszuholen und den Menschen nahe zu sein. In ihrer Funktion als Regionalverantwortliche kann und will Edith Rey nicht eine extreme Position einnehmen. Sie kann aber aufmerksam machen, nachfragen oder intervenieren, wenn Frauen bei einer Bewerbung allenfalls nicht fair behandelt werden. Sie setzt ein Zeichen durch ihre Präsenz, kann die Arbeit von Frauen ins rechte Licht rücken und unterstützen.

Besuchergruppe Neuendorf
Vor bald 25 Jahren wurde die Besuchergruppe Neuendorf von zwei Pfarreirätinnen ins Leben gerufen: Anni Hummel und Ursula Heim. In der Anfangszeit besuchte die Gruppe alleinstehende, betagte oder kranke Leute im Dorf. Doch es stellte sich als schwierig heraus, es allen recht zu machen und an alle zu denken. So änderte sich die Aufgabe mit der Zeit. Die Mitglieder der Besuchergruppe, im Moment sind dies sechs Frauen, besuchen Menschen aus ihrer Gemeinde im Spital oder im Altersheim. Zweimal im Jahr organisieren sie zudem einen Seniorennachmittag.

«Noch nie hatte ich das Gefühl, dass ein Besuch fehl am Platz war. Die Menschen haben Freude, dass jemand an sie denkt und für sie Zeit hat. Manchmal tut es ihnen gut, mit jemandem zu reden, der ihnen vielleicht gar nicht so nahe steht. Jedes Mal gehe ich aufgestellt aus dem Spital», sagt Ursula Heim. Anni Hummel ergänzt: «Es braucht manchmal schon Überwindung. Im Spital wissen wir nicht, was uns hinter der Zimmertür erwartet. Aber die Begegnungen berühren einen tief.»

Beim Spitaleintritt füllen die Patienten ein Formular aus, in dem unter anderem auch angekreuzt werden kann, ob man Besuch von einem Seelsorger wünscht. Dass die Besuchergruppe auch unter diese Sparte fällt, ist vielen nicht bewusst. «Das ist schade. Denn so erhalten viele keinen Besuch, die vielleicht doch Freude daran hätten», meint Ursula Heim. Bei ihren Besuchen stellen die Frauen von der Besuchergruppe nicht in den Vordergrund, dass sie eine pfarreiliche Gruppe sind. Aber ihre Aufgabe sehen sie als eine Kernaufgabe der Kirche: Menschen begegnen, Gespräche führen, sich Zeit nehmen, jemandem eine Freude machen oder einfach da sein.

Sunntigsfiir-Team Niederbuchsiten
Wie in vielen Pfarreien treffen sich auch in Niederbuchsiten einmal im Monat Kinder der 1. bis 3. Klasse zur Sunntigsfiir (voreucharistischer Gottesdienst). Ein Team von drei ehrenamtlich tätigen Frauen bereitet diese Feiern vor: Daniela von Arx, Brigitte Studer und Evelyn Zeltner.

Höhepunkt der Sunntigsfiiren ist jeweils das Palmenbinden und der gemeinsame Besuch des Palmsonntagsgottesdienstes. Auch die Prozession an Fronleichnam und der dazugehörige Gottesdienst im Freien gehören ins Programm.

«Es ist uns ein grosses Anliegen, die Kinder auf ihrem religiösen Weg ein Stück zu begleiten», geben die drei engagierten Frauen Auskunft. Mit Gespür und Kreativität gestalten sie die Feiern zu unterschiedlichen Themen des Kirchenjahres. «Die Sunntigsfiiren sind für Kinder wichtige Erlebnisse und Erfahrungen auf ihrem Glaubensweg. Im gemeinsamen Singen, Geschichten hören, Beten und Basteln werden sie altersgerecht zur Gottesdienstfeier hingeführt. Sie erfahren die Gemeinschaft mit Gott und anderen Kindern und lernen die verschiedenen Feste und Bräuche des Kirchenjahres kennen.

Wenn die Kinder gerne in die Sunntigsfiir kommen und mit Begeisterung mitmachen, dann macht uns dies Freude und wirkt motivierend.» Die Sunntigsfiiren sind ein wichtiges Puzzleteil auf dem Weg des Glaubens.

Theres Mathys, Synodalrätin 
Theres Mathys, Synodalrätin, ist verantwortlich für die Begleitung und Kontrolle der Fachstellen der Synode (Religionspädagogik, Jugend, Kirchenmusik sowie Diakonie und Soziale Arbeit) und trifft sich mit der Kantonsleitung von Jungwacht/Blauring, mit Notfall- und mit Spezial-Seelsorgenden. «Mein Engagement im Synodalrat bringt mich mit vielen interessanten Menschen über alle Generationen zusammen, nicht nur Christen aller Konfessionen, sondern auch mit Angehörigen der verschiedensten Religionen. Dabei spüre ich von allen Seiten die Offenheit, sich mit Unbekanntem auseinanderzusetzen. Fremdes, das ich aus der Nähe betrachte, kann dabei zu Vertrautem werden.»

Durch ihr Elternhaus ist sie in die kirchliche Gemeinschaft hineingewachsen, hat das zweite Vatikanische Konzil und die Synode 72 bewusst miterlebt und gespürt, dass von der Basis bis zur Spitze ein gemeinsames Ziel verfolgt wird: vorwärts kommen, nicht zurückblicken und nicht an Ort treten. «Leider hat das Pendel bei vielen wieder in die andere Richtung ausgeschlagen. Ich kann das nicht verhindern, aber ich kann, solange ich innerhalb der Kirche bin, immer wieder an die Vorwärtsbewegung erinnern», sagt Theres Mathys über ihre Motivation, sich in der Kirche zu engagieren.

«Grenzen sehe ich dort, wo die Kirche gesellschaftliche Traditionen mit dem Glauben verwechselt, wo nicht die biblische Botschaft gilt, sondern Anordnungen einer reinen Männergesellschaft. Sorgen mache ich mir, wenn von offizieller Seite sogar der verzeihende Gott geleugnet wird, und Menschen, die nach dem Scheitern einer Beziehung eine neue wagen, von sämtlichen Sakramenten ausgeschlossen werden. Und eigentlich ergibt sich aus diesen zwei letzten Feststellungen mein Wunsch für bzw. an die Kirche: Sie soll für die Menschen da sein und nicht von ihnen verlangen, dass sie in erster Linie für die Kirche da sein sollen.»   

 

Monika Poltera-von Arb studierte Theologie und Kirchenmusik und arbeitet als Pastoralassistentin in der Pfarrei Niederbuchsiten.