Aktuelle Nummer 23 | 2019
10. November 2019 bis 23. November 2019

Editorial

Frieden und Ökumene

In Münster (Westfalen) fand im Mai der Deutsche Katholikentag unter dem Motto «Suche Frieden» statt. «Wer Münster hört, muss an Frieden denken», sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Grossveranstaltung. Münster war eine der Städte, in welcher der Westfälische Frieden unterzeichnet wurde. Nach jahrelangen Verhandlungen wurde damit der Dreissigjährige Krieg beendet. Dieser begann vor 400 Jahren als Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken und entwickelte sich zu einem verheerenden Machtkampf zwischen allen aufstrebenden Grossmächten Europas. Der Friedensschluss anerkannte zudem das Unabhängigkeitsstreben zweier Länder. Die Niederlande und die Schweizer Eidgenossenschaft wurden von den europäischen Mächten als eigenständige Staaten anerkannt.

Mit vielfältigen Friedensthemen setzte sich denn auch der Katholikentag auseinander, insbesondere auch mit dem Verhältnis zwischen den Konfessionen. Heute werden zwar nicht mehr so schnell Kriege zwischen den christlichen Kirchen vom Zaun gebrochen. Im Alltag gehen wir freundlich miteinander um, Unterschiede werden kaum noch wahrgenommen, und die Schikanierungen von früher sind heute undenkbar. Aber trotzdem bleiben die Konfessionen getrennt nebeneinander bestehen. Weitere Schritte aufeinander zu wären möglich, aber in den Kirchen gibt es Minderheiten, die nicht mitgehen wollen. Wenn eine Minderheit nicht mitzieht, drohen neue Spaltungen. Aber dürfen Minderheiten auf diese Weise die Schritte zur Versöhnung blockieren? Das zweite Vatikanische Konzil hat die Kirche unwiderruflich zur Ökumene verpflichtet, alle Päpste haben dies seither bestätigt. Die Schweizer Kirchen haben sich in der Charta Oecumenica versprochen, den Weg der Einheit konsequent weiterzugehen und Bischof Felix Gmür und Kirchenratspräsident Gottfried Locher setzen diesbezüglich wichtige Zeichen. Nicht wer sich in der Ökumene engagiert, Lösungen sucht und weitergehen möchte, muss sich rechtfertigen, sondern diejenigen, die sich verweigern. Hoffen wir, dass es Papst Franziskus gelingt, anlässlich der Begegnung mit dem Weltkirchenrat in Genf, der ökumenischen Bewegung weiteren Schub zu verleihen. 

Ich wünsche auch Ihnen interessante ökumenische Begegnungen im Kleinen und Konkreten.

 

Kuno Schmid