Aktuelle Nummer 19 | 2019
15. September 2019 bis 28. September 2019

Focus

Profil der Seminaristen des Bistums Basel

Seit Herbst 2016 gehören 17 Männer zu den Kandidaten für den priesterlichen Dienst im Bistum Basel. Hier soll mit expressionistischen Farben ihr stark verändertes Profil skizziert werden im Hinblick auf die Berufungspastoral. Denn die Kirche braucht auch im dritten Jahrtausend Katecheten/-innen, Laientheologen/-innen, ständige Diakone und nicht zuletzt Priester und Ordensleute.

Am auffälligsten ist, dass das Durchschnittsalter  – analog zum Heiratsalter – um gute zehn Jahre höher ist als vor fünfzig Jahren und etwa bei 35 Jahren liegt. Einige haben zuerst einen anderen Beruf gelernt und bringen interessante Berufserfahrungen mit, zwei haben bereits promoviert und verfügen nun über erhöhte wissenschaftliche Kompetenz  und einer steht kurz vor der Promotion in Theologie. Ein höheres Weihealter geht einher mit breiterer Lebenserfahrung, die hilfreich ist für den anspruchsvollen Beruf. Mehrere Seminaristen weisen Migrationshintergrund auf, sind zweisprachig aufgewachsen und bringen internationale und interkulturelle Lernerfahrungen mit. Auch in Bezug auf die Biografien bilden sie die heutigen nicht mehr glatten, geradlinigen Lebensläufe ab. Einige haben Umwege beschritten, sogar ­Irrwege, die letztlich zu Lernwegen wurden. (Gott schreibt auf krummen Wegen gerade.) Einer hat bei den Schwestern der hl. Mutter Teresa in Kalkutta ein Praktikum absolviert und einer ist von der reformierten Schwesterkirche zur katholischen Kirche konvertiert, beides gute Voraussetzungen für den Beruf. Heutige Priesterkandidaten stammen – betr. Sinusmilieustudien – aus traditionsverwurzelten Milieus, nicht aus hedonistischen oder experimentellen Milieus wie Jugendliche, die an der Streetparade teilnehmen. Die meisten sind aus der bürgerlichen Unter- und Mittelschicht, haben Geschwister und sind teilweise religiös sozialisiert, d.h. ihre Eltern (nicht alle) zeigten ihnen religiöse Praxis, während ihre Geschwister nur noch teilweise religiös praktizieren. Ein regelmässiges Gebetsleben wird erst im Priesterseminar erworben. Die Assimilation des theologischen Denkens des Zweiten Vatikanischen Konzils ist für das Gros eine Selbstverständlichkeit.

Am Wochenende des St.-Ursen-Tages 2016 trafen sich die Seminaristen des Bistums Basel in Solothurn im Kloster St. Josef, wo jetzt die Scalabrini-Missionarinnen wohnen. Ziel war das gegenseitige Kennenlernen. Spiritual Dr. Hans Schaller hielt den Hauptvortrag anhand der biblischen Perikope des Gangs Petri über das Wasser. Wie die Jünger damals «Gegenwind» hatten, pfeift auch heute der Kirche gelegentlich rauer Wind ins Gesicht. Bischof Felix Gmür ermutigte die Kandidaten zur Vernetzung in Zellen und betonte, dass künftige Priester belastbar sein müssen und einen gesunden Glauben haben sollten. Berufung hat mit Rufen, Hören und Lernen in einer radikal pluralen und von Migration bestimmten Zeit zu tun. Neu war die Tatsache, dass jetzt nach Jahren des Unterbruchs vier Seminaristen für den «Jura pastoral» studieren, drei sind in Freiburg i. Br., sieben in Pfarreien (zwei in der Berufseinführung, einer im Vorjahr, zwei Laientheologen, einer am RPI und einer promoviert) und je einer studiert in Rom, Fribourg und London.

Fazit: Offenbar ist die Talsohle (der «Kollaps», wie die NZZ am Sonntag schrieb) betreffend Seminaristen und kirchlichem Nachwuchs überhaupt überschritten. Das grösste Bistum der Schweiz hat ansehnlichen und profilierten Nachwuchs. Der Priesterberuf ist kein Auslaufmodell! Einberechnen darf man derzeit 21  Damen und Herren in der Berufseinführung, die in den nächsten beiden Jahren einsetzbar werden, erfreulich viele am Religionspädagogischen Institut und etwa acht Laientheologen, die sich auf den Ständigen Diakonat vorbereiten. In der «Studienbegleitung» sind am Dienstagabend gut zwanzig künftige Seelsorgerinnen und Seelsorger anzutreffen, darunter auch Leute, die das «Fernstudium» ganz oder teilweise besuchen. Die gesamte Berufungspastoral soll vom Gebet aller Glaubenden begleitet sein.